Äquativ
Štokavisch
Abessiv
Ablativ
Absolutiv
Adessiv
Adjektiv
Adposition
Akkudativ
Akkusativ
Alemannische Dialekte
Allativ
Altfranzösisch
Altgriechisch
Altgriechische Sprache
Arabische Sprache
Archaismus
Artikel (Wortart)
Baltische Sprachen
Baskische Sprache
Dativ
Deklination (Grammatik)
Delativ
Dependenzgrammatik
Deutsche Deklination
Deutsche Mundarten
Deutsche Sprache
Dionysios Thrax
Drift (Linguistik)
Elativ (Kasus)
Englische Sprache
Ergativ
Ergativsprache
Esperanto
Essiv
Estnische Sprache
Etymologie
Finnische Sprache
Finno-ugrische Sprachen
Flexion
Frederik van Eeden
Genitiv
Genus
Georgische Sprache
Grammatik
Grammatik des Lateinischen
Grammatische Kategorie
Griechische Sprache
Hindi
Illativ
Indogermanische Sprachfamilie
Indogermanische Ursprache
Inessiv
Instruktiv
Instrumental (Grammatik)
Instrumentalis
Inuktitut
Irische Sprache
Kasuistik
Kasus
Kasus-Numerus-Genus-Kongruenz
Kasusgrammatik
Kasustheorie
Komitativ
Kongruenz (Grammatik)
Kurmandschi
Latein
Lettische Sprache
Liste der IPA-Zeichen
Litauische Sprache
Lokativ
Morphem
Morphologie (Sprache)
Niederdeutsche Sprache
Niederländische Sprache
Nomen
Nominativ
Numerus
Oberdeutsch
Obersorbische Sprache
Objekt (Grammatik)
Obliquus (Kasus)
Partitiv
Personalpronomen
Plural
Pluraletantum
Polnische Sprache
Possessiv
Possessivpronomen
Postposition
Präposition
Präpositiv
Prolativ
Rektion
Rektus
Rumänische Sprache
Russische Sprache
Samische Sprachen
Samoanisch
Sanskrit
Štokavisch
Abessiv
Ablativ
Absolutiv
Adessiv
Adjektiv
Adposition
Akkudativ
Akkusativ
Alemannische Dialekte
Allativ
Altfranzösisch
Altgriechisch
Altgriechische Sprache
Arabische Sprache
Archaismus
Artikel (Wortart)
Baltische Sprachen
Baskische Sprache
Dativ
Deklination (Grammatik)
Delativ
Dependenzgrammatik
Deutsche Deklination
Deutsche Mundarten
Deutsche Sprache
Dionysios Thrax
Drift (Linguistik)
Elativ (Kasus)
Englische Sprache
Ergativ
Ergativsprache
Esperanto
Essiv
Estnische Sprache
Etymologie
Finnische Sprache
Finno-ugrische Sprachen
Flexion
Frederik van Eeden
Genitiv
Genus
Georgische Sprache
Grammatik
Grammatik des Lateinischen
Grammatische Kategorie
Griechische Sprache
Hindi
Illativ
Indogermanische Sprachfamilie
Indogermanische Ursprache
Inessiv
Instruktiv
Instrumental (Grammatik)
Instrumentalis
Inuktitut
Irische Sprache
Kasuistik
Kasus
Kasus-Numerus-Genus-Kongruenz
Kasusgrammatik
Kasustheorie
Komitativ
Kongruenz (Grammatik)
Kurmandschi
Latein
Lettische Sprache
Liste der IPA-Zeichen
Litauische Sprache
Lokativ
Morphem
Morphologie (Sprache)
Niederdeutsche Sprache
Niederländische Sprache
Nomen
Nominativ
Numerus
Oberdeutsch
Obersorbische Sprache
Objekt (Grammatik)
Obliquus (Kasus)
Partitiv
Personalpronomen
Plural
Pluraletantum
Polnische Sprache
Possessiv
Possessivpronomen
Postposition
Präposition
Präpositiv
Prolativ
Rektion
Rektus
Rumänische Sprache
Russische Sprache
Samische Sprachen
Samoanisch
Sanskrit
Dieser Artikel beschäftigt sich mit Kasus in der Grammatik; für andere Bedeutungen siehe Kasuistik.
Der Kasus ˈkaːzʊs (Pl.: Kasus mit langem u ˈkaːzuːs) (auch: „der Fall“) ist eine grammatische Kategorie der nominalen Wortarten.
Inhaltsverzeichnis
1 Etymologie
2 Begriff
2.1 Morphologischer Kasus
2.2 Abstrakter Kasus
2.3 Tiefenkasus im Sinne der Kasusgrammatik
3 Das System der Kasus in der deutschen Sprache
3.1 Das Kasussystem im Standarddeutschen
3.2 Kasus in den deutschen Dialekten
3.2.1 Allgemeines
3.2.2 Das Kasussystem im Alemannischen
4 Das Kasussystem im indoeuropäischen Sprachraum
4.1 Allgemeines
4.2 Die Kasussysteme indoeuropäischer Sprachen im Einzelnen
4.2.1 Die Kasus im (Alt-)Griechischen
4.2.2 Die Kasus im Lateinischen und in den romanischen Sprachen
4.2.2.1 Latein
4.2.2.2 Romanische Sprachen
4.2.3 Die Kasus in den germanischen Sprachen
4.2.3.1 Niederländisch
4.2.4 Die Kasus in den slawischen Sprachen
4.2.5 Die Kasus in den baltischen Sprachen
5 Kasus in den Sprachen der Welt
6 Kasus und Adpositionen in der Sprachtypologie
7 Siehe auch
8 Einzelnachweise
9 Literatur
10 Weblinks
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Bearbeiten Etymologie
Die Bezeichnung Kasus geht etymologisch auf das lateinische Wort 'casus' („Fall“) zurück. Dieses Wort ist eine Begriffsübernahme vom griechischen Wort ptosis (πτῶσις) ('Fall'). Der griechische Grammatiker Dionysios Thrax hatte die Nomina als vom Verb 'abfallend' ('abhängig') aufgefasst (etwa wie noch heute in der Dependenzgrammatik) und dies als 'ptosis' bezeichnet.
Bearbeiten Begriff
Der Ausdruck „Kasus“ ist mehrdeutig.
Bearbeiten Morphologischer Kasus
In einem engeren Sinn ist mit „Kasus“ der morphologische Kasus gemeint, d. h. die „Kasusmarkierung durch grammatische Morpheme“[1]. In der Morphologie ist der Kasus eine morphologische Kategorie, die durch ein System einander gegenüberstehender Formenreihen gekennzeichnet ist, wobei diese Formen die Beziehung eines Gegenstandes zu anderen Gegenständen in einer bestimmten Situation wiedergeben. Dies entspricht der herrschenden Definition des Kasus als
grammatische Kategorie deklinierbarer Wörter, insbesondere zum Ausdruck syntaktischer Funktionen im Satz.
Dieser morphologische Kasusbegriff bietet sich für die deutsche Sprachwissenschaft an, da das Deutsche noch ein ausgeprägtes Flexionssystem der nominalen Wortarten kennt. Im Deutschen werden in der Deklination mit dem Kasus auch zugleich das Genus und der Numerus morphologisch gekennzeichnet.
Für den morphologischen Kasus gelten (im Deutschen) in der Regel Kongruenz und Rektion.
In der traditionellen Duden-Grammatik wird für das Deutsche zwischen einem reinen Flexionskasus (Beispiel: „Müllers Auto“) und einem Präpositionalkasus (Beispiel: „das Auto von Müller“) unterschieden[2].
Aus dem Griechischen stammt die Einteilung in Casus Rectus (Nominativ, Vokativ) und Casus Obliquus ((vom Verb abhängigen Kasus) Genitiv, Dativ, Akkusativ, Ablativ).
Weitere Einteilungen sind die in lexikalischen und strukturellen Kasus (so in der generativen Syntax) und in syntaktischen und semantischen Kasus[3].
Typischerweise trägt ein Wort nur eine einzige Kasusmarkierung, in einigen Sprachen gibt es jedoch auch Wörter mit zwei und mehr Kasusmarkierungen (Suffixaufnahme).
Bearbeiten Abstrakter Kasus
Unabhängig von einer morphologischen Realisierung kann man den Kasus abstrakt definieren als „grammatische Kategorie der nominalen Wortarten …, die der grammatischen Organisation des Satzes dient, indem die syntaktische Rolle von Substantivgruppen gekennzeichnet wird.“[4].
Dieser Kasusbegriff bietet sich „für nicht flektierende Sprachen wie dem Englischen und Französischen (an), in denen syntaktische Funktionen hauptsächlich durch Wortstellung bzw. Satzstruktur kodiert werden“[5]. Ein abstrakter Kasusbegriff wird in der Sprachvergleichung verwendet.
Als Spielart des abstrakten Kasus kann auch der Kasusbegriff der Kasusgrammatik angesehen werden.
Bearbeiten Tiefenkasus im Sinne der Kasusgrammatik
Die Kasusgrammatik bezeichnet mit „Kasus“ (Tiefenkasus) die „semantisch/thematischen Relationen/Rollen“[6] bzw. die „abstrakte logisch-semantische Relation zwischen Nominalphrase und Verb“[7].
Bearbeiten Das System der Kasus in der deutschen Sprache
Bearbeiten Das Kasussystem im Standarddeutschen
Die deutsche Sprache kennt vier Fälle (Kasus):
den Nominativ, 1. Fall, „Wer-oder-was-Fall“
den Genitiv, 2. Fall, „Wes(sen)-Fall“
den Dativ, 3. Fall, „Wem-Fall“
den Akkusativ, 4. Fall, „Wen-oder-was-Fall“.
(Um sich die Reihenfolge zu merken: Nominativ – Geh' nie tief (Genitiv) ins Wasser – es könnte da tief (Dativ) sein. – Akkusativ bzw. die umgekehrte alphabetische Anordnung: N → G → D → A)
Beispielsweise ist in dem Satz:
Die Frau gibt ihrem Bruder den Hut ihres Mannes.
Die Frau das Subjekt (= Ergänzung im Nominativ), ihrem Bruder das Dativobjekt (= Ergänzung im Dativ), den Hut das Akkusativobjekt (= Ergänzung im Akkusativ) und ihres Mannes das Genitivattribut.
Bei Feminina, Neutrum, und bei stark deklinierenden Maskulina findet sich höchstens noch im Genitiv Singular und im Dativ Plural eine Kasus-Beugung, d. h. eine Veränderung der Wortform durch das Anhängen einer Endung an den Wortstamm bzw. den Pluralstamm. Der Dativ Singular der starken Maskulina und Neutra wurde im 20. Jahrhundert oft noch flektiert: dem Manne. In manchen Redewendungen ist dieser Stand erhalten: Im echten Manne ist ein Kind versteckt: Das will spielen. (Friedrich Nietzsche). Schwache Maskulina sowie alle substantivierten Adjektive und Partizipien haben auch in anderen Kasus Flexionsendungen (dem Menschen, den Boten, mit der Schönsten, für den Gebildeten). Der fortschreitende Verlust der Endungen ist wiederum Ursache für den Zusammenfall von gleichlautenden Kasus, wie im Englischen und Niederdeutschen (siehe unten). Das Deutsche scheint auf dem Wege zu sein, auch den Genitiv als Objektkasus („ich schäme mich seiner“) und den Dativ zu verlieren und damit ein Kasussystem wie das Englische auszubilden (Sprachdrift). Bei den nicht mehr durch Endungen gekennzeichneten Fällen zeigen die Artikel den Kasus des entsprechenden Wortes an.
Bearbeiten Kasus in den deutschen Dialekten
Bearbeiten Allgemeines
In vielen deutschen Mundarten ist das Kasussystem einfacher als im Hochdeutschen. So kommt der Genitiv in den deutschen Mundarten oft nur noch in festen Redewendungen vor. Er wird in der Regel durch eine Kombination von Präposition und Substantiv ersetzt. Beispiel: das Haus meiner Eltern wird ersetzt durch das Haus von meinen Eltern oder durch meine Eltern ihr Haus.
In einigen Dialekträumen fallen Nominativ und Akkusativ zusammen, in anderen Dativ und Akkusativ (dieser Gemeinschaftskasus heißt dann Akkudativ oder Objektfall. In manchen Gegenden bleibt die Unterscheidung zwischen allen drei Kasus erhalten, in anderen verschwindet die Unterscheidung zwischen allen drei Kasus vollständig, sodass dort ein Einheitskasus aus Nominativ, Dativ und Akkusativ entsteht.
Bei den Kasus in den deutschen Mundarten muss man unterscheiden zwischen den einzelnen Wortarten (Artikel, Adjektiv, Substantiv und Personalpronomen) und zwischen den drei grammatischen Geschlechtern (Genera). Zum Beispiel verhält sich beim bestimmten Artikel die männliche Form (hochdeutsch der) anders als die weibliche und die sächliche Form (die bzw. das). Der männliche bestimmte Artikel hat nur in einem kleinen Teil von Norddeutschland (nämlich in Südschleswig) den Einheitskasus Nominativ-Dativ-Akkusativ. Der weibliche und der sächliche bestimmte Artikel hingegen hat in großen Teilen von Norddeutschland diesen Einheitskasus.
Beispiele für den Objektfall (Akkudativ):
De Fru kiekt de Mann an (Das Wort Mann steht im Objektfall; im Standarddeutschen würde es im Akkusativ stehen)
'Die Frau schaut den Mann an.'
De Fru gifft de Mann Koken. (Das Wort Mann steht im Objektfall; im Standarddeutschen würde es im Dativ stehen)
'Die Frau gibt dem Mann Kuchen.'
Bearbeiten Das Kasussystem im Alemannischen
Das Alemannische ist ein Dialektverbund der oberdeutschen Sprache, die sehr arm an verschiedenen Fällen ist. Hier werden die Fälle anhand eines Luzerner Dialekts demonstriert. Es gibt keine einheitliche Angabe der Fälle im Alemannischen, da sie in den verschiedenen Dialekten teilweise sehr unterschiedlich sein können.
Substantive
Kasus
maskulin
feminin
neutrum
Nominativ
de Maa (der Mann)
d'Frau (die Frau)
s'Chind (das Kind)
Akkusativ
de Maa (den Mann)
d'Frau (die Frau)
s'Chind (das Kind)
Dativ
am Maa (dem Mann)
de Frau (der Frau)
am Chind (dem Kind)
Die Formen des Nominativs und des Akkusativs sind in allen Genera identisch. Im Dativ wird als Artikel „im/i de“ verwendet. Das Wort selbst verändert sich nicht.
Der Genitiv muss gesondert aufgeführt werden. Eigentlich existiert ein Genitiv gar nicht. Deshalb entfallen die wenigen Verben, die im Standarddeutschen noch ein Genitivobjekt fordern, im Alemannischen oder werden mit entsprechenden Präpositionen aufgeführt.
Beispiel:
Ursprungssatz: Ich schäme mich seiner.
Alemannisch: Ich schäme mich wäg ihm.
Einheitliche Übersetzung: Ich schäme mich seinetwegen.
Wird der Genitiv in einem Genitivattribut gefordert, wird er wie folgt angegeben:
Genus des Bezugswortes
maskulin
feminin
neutrum
maskulin
am Maa si(n)
de Frau ires
am Chind si(n)
feminin
am Maa sini
de Frau iri
am Chind sini
neutrum
am Maa sis
de Frau ires
am Chind sis
Plural (m.,f. o. n.)
am Maa sini
a de Frau iri
am Chind sini
Er setzt sich also zusammen aus dem Dativ, auf den ein Possessivpronomen folgt. In der Spalte ganz rechts ist angegeben, welches Genus das nachfolgende Wort hat. Je nachdem ändert sich auch das Possessivpronomen. Im Plural gibt es nur ein Possessivpronomen, weshalb die Geni Plural nicht mehr einzeln aufgeführt sind. Diese Form eines Genitivs, der ja eigentlich gar keiner ist, kann nur auf Genitivattribute angewendet werden. Als Genitivobjekt ist sie nicht zu gebrauchen. Sie existiert auch im Standarddeutschen, wird aber heute nur noch sehr selten verwendet. So ist sie zu übersetzen (das Genus des Bezugswort ist jeweils in Klammern angegeben):
Im Maa sis Buech (n.) liit am Bode.
Dem Mann sein Buch liegt auf dem Boden.
I de Frou ires Chind (n.) esch 3-jährig.
Der Frau ihr Kind ist 3-jährig.
Im Chind sini Mueter (f.) chouft i.
Dem Kind seine Mutter kauft ein.
Außerdem existiert im Alemannischen eine zweite Form. Auch diese Form ist im Standarddeutsch vorhanden und wird auch heute öfter gebraucht.
maskulin
feminin
neutrum
vom Maa
vo de Frou
vom Chind
Diese Form eines rekonstruierten Genitivs setzt sich aus der Präposition „von“, dem Artikel (bei maskulinen und netrum Substantiven miteinander verschmolzen) und dem eigentlichen attributiven Substantiv zusammen. Das Bezugswort steht vor dem „Genitiv“. Das Genus und der Numerus des Bezugswort spielen in diesem Fall keine Rolle. Diese Form ist so zu übersetzen:
D'Schwöschtere vom Maa heissed Erika ond Jasmin.
Die Schwestern vom (= von dem) Mann heißen Erika und Jasmin.
Bearbeiten Das Kasussystem im indoeuropäischen Sprachraum
Bearbeiten Allgemeines
Das Indoeuropäische bzw. Indogermanische kannte acht oder neun Fälle:
Nominativ
Genitiv oder Genetiv
Dativ
Akkusativ
Ablativ
Instrumental
Allativ (umstritten)
Vokativ
Lokativ.
Die daraus entstandenen Sprachen (baltische, slawische Sprachen, sowie Latein oder Altgriechisch) haben diese vollständig oder nur zum Teil erhalten (teilweise unter anderen Namen). Auch das Deutsche besaß bis vor etwa eintausend Jahren noch einen Instrumental-Kasus.
Bearbeiten Die Kasussysteme indoeuropäischer Sprachen im Einzelnen
Bearbeiten Die Kasus im (Alt-)Griechischen
Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Altgriechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ (Anredeform). Nach ihrer Verwendungsweise werden zahlreiche verschiedene Kasusfunktionen unterschieden. Das altgriechische Kasussystem ähnelt in seinen Grundzügen dem deutschen. Zu Einzelheiten siehe Altgriechische Sprache.
Bearbeiten Die Kasus im Lateinischen und in den romanischen Sprachen
Bearbeiten Latein
Das Lateinische kennt fünf ausgeprägte Kasus: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ und Ablativ. Hinzu kommt der Vokativ, der jedoch nur bei einer einzigen Substantivklasse im Singular Maskulinum eine eigene Form hat, sonst ist er stets gleich dem jeweiligen Nominativ. Bei Städtenamen der a/o-Klasse erscheinen überdies Reste des Lokativs. Einzelheiten unter Grammatik des Lateinischen.
Bearbeiten Romanische Sprachen
„Der Verlust der morphologisch markierten Kasus gehört zu den wichtigsten typologischen Merkmalen, die die romanischen Sprachen vom Lateinischen unterscheiden.“[8]
An die Stelle eines Flexionskasus tritt ein Präpositionalkasus[9].
Beispiel: Statt (lateinisch) „homo homini lupus“ (spanisch) „El hombre (es) un lobo para el hombre.“[8]
Reste eines morphologischen Kasus finden sich bei den romanischen Sprachen noch bei den Personalpronomina. Lediglich im Rumänischen gibt es noch „ein rudimentäres Kasussystem“[8].
Bearbeiten Die Kasus in den germanischen Sprachen
Bearbeiten Niederländisch
Im Niederländischen ist das Kasussystem weitestgehend verschwunden. Bei den Substantiven und Adjektiven gibt es keine Unterscheidung zwischen den Kasus mehr. Bei den Personalpronomina gibt es noch die Unterscheidung zwischen Subjektfall und Objektfall, z.B. ik („ich“, Subjektfall) — mij, me („mir“ oder „mich“, Objektfall). Dabei ist me die unbetonte Form von mij.
Gelegentlich kommen noch Reste weiterer Kasusunterscheidungen vor. In der Schriftsprache gibt es beim Personalpronomen der dritten Person Plural die Unterscheidung zwischen hen und hun. Dieser Unterschied wird in der Schriftsprache aber selten gemacht und kommt in der gesprochenen Sprache nicht vor. Weitere Kasusunterscheidungen kommen in feststehenden Ausdrücken und in Archaismen vor.
Beispiele:
Van de koele meren des doods — „Von den kühlen Seen des Todes“, Genitiv in einem Buchtitel von Frederik van Eeden
Woordenboek der Nederlandsche Taal — „Wörterbuch der niederländischen Sprache“, Genitiv
ter dood veroordeeld — „zum Tode verurteilt“, Dativ
mijns inziens — „meines Wissens“, Genitiv
ontferm u onzer — „erbarme dich unser“, Genitiv
Bearbeiten Die Kasus in den slawischen Sprachen
Die slawischen Sprachen lassen sich nach der Anzahl der Kasus in zwei Gruppen unterteilen.
Im Bulgarischen[10], und Mazedonischen[11] gibt es 3 Kasus bei Pronomen während bei den Substantiven keine Fälle mehr existieren.
Alle weiteren slawischen Sprachen haben 6 oder 7 Kasus.
Slowenisch[12], Russisch[13] und Niedersorbisch[14] haben 6 Kasus.
Kroatisch[15], Serbisch[16], Polnisch[17], Obersorbisch[14], Tschechisch[18], Slowakisch[19] und Ukrainisch[20] haben 7 Kasus.
Bearbeiten Die Kasus in den baltischen Sprachen
Die beiden baltischen Sprachen unterscheiden sich in der Anzahl der Fälle.
Litauisch[21] [22] hat 7 Fälle wie das benachbarte Polnische[17].
Lettisch[23] [24] [22] hat dagegen nur 6 Fälle, obwohl in einigen Quellen der Instrumental als 7. Kasus erwähnt wird. Er ist aber im Singular mit dem Akkusativ und im Plural mit dem Dativ identisch und wird daher in neueren Büchern nicht mehr aufgeführt.
Bearbeiten Kasus in den Sprachen der Welt
Nicht-indogermanische Sprachen (z.B. finno-ugrische) kennen zum Teil deutlich mehr Fälle als die indoeuropäischen Sprachen. Im Finnischen sind es beispielsweise 15, im Ungarischen je nach Zählung zwischen 0 und 31, im Wepsischen 24.
Jedoch ist es recht schwierig, dem Begriff eine allgemeingültige Definition zu geben. Manche Fachleute bezweifeln, dass er auf alle Sprachen (z. B. Englisch oder Ungarisch) anwendbar ist.
Kasus
Bedeutung
Beispiel
Sprachen (Beispiele)
Abessiv
Abwesenheit von etwas
ohne den Lehrer
Ungarisch, Finnisch, Estnisch
Ablativ (1)
indirekter Fall
den Lehrer betreffend
Sanskrit, Latein
Ablativ (2)
Wegbewegung
vom Lehrer weg
Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Türkisch, Latein
Absolutiv
Subjekte intransitiver Verben; Objekte transitiver Verben
der bzw. den Lehrer
Ergativsprachen
Adessiv
nahe bei
beim Lehrer
Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Litauisch (früher)
Akkusativ
direktes Objekt
den Lehrer
viele indogermanische Sprachen, Arabisch, Ungarisch, Esperanto
Allativ oder Direktiv
Hinbewegung
zum Lehrer
Baskisch, Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Litauisch (früher), Tibetisch
Äquativ
Vergleich
wie ein Lehrer
Sumerisch
Dativ
Richtung oder Empfänger; indirektes Objekt
dem Lehrer
viele Indogermanische Sprachen, Ungarisch, Georgisch, Türkisch
Delativ
Wegbewegung von etwas herab
vom Schiff herab
Ungarisch
Delimitativ (lokaler Genitiv)
örtliche Zugehörigkeit
des Lehrers, zum Lehrer gehörig
Baskisch
Derivativ
Herkunft
der Hamburger Lehrer
Türkisch
Elativ
Herausbewegung
aus dem Haus heraus
Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Altgriechisch
Ergativ
Subjekt, das ein transitives Verb ausführt
der Lehrer (baut ein Haus…)
Baskisch, Georgisch, Samoanisch, Tibetisch, Inuktitut
Essiv
Kennzeichnung eines Zustandes
als Lehrer
Finnisch, Estnisch, Samisch, Georgisch, Ungarisch (2, formal und modal)
Genitiv (Genetiv)
Besitz, Beziehung
des Lehrers
viele Indogermanische Sprachen, Arabisch, Tibetisch (?), Ungarisch
Illativ
Hineinbewegung
ins Haus
Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Samisch, Litauisch
Inessiv
Innen
im Haus
Baskisch, Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Litauisch
Instruktiv (1)
Art und Weise
mittels Lehrer
Finnisch
Instrumental oder Instruktiv (2)
Kennzeichnung der Nutzung
mit dem Lehrer
Sanskrit, Slawische Sprachen, Baskisch, Georgisch, Finnisch, Ungarisch, Latein, Litauisch
Komitativ
Zusammen mit
mit dem Lehrer
Baskisch, Estnisch, Ungarisch, Tibetisch, Finnisch, Samisch
Lokativ
Ort
am Haus
Sanskrit, Slawische Sprachen, Lettisch, Litauisch, Tibetisch, Samisch, Türkisch
Nominativ
Subjekt
der Lehrer
sämtliche Indogermanische Sprachen, Arabisch, Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Samisch, Georgisch
Obliquus (Oblik)
Umfassend
den Lehrer betreffend
Zazaki, Kurmandschi, Altfranzösisch, Englisch
Partitiv
Mengen
an Lehrern
Baskisch, Finnisch, Estnisch
Perlativ
Bewegung durch etwas
durch das Haus hindurch
Tocharisch
Possessiv
Besitz
dem Lehrer gehörend
Baskisch
Postpositional
Kasus vor Postpositionen
Lehrer + Postposition
Hindi
Präpositiv
Kasus nach Präpositionen
Präposition + Lehrer
Russisch
Prolativ (1)
Bewegung auf Oberfläche
durch das Haus
Estnisch
Prolativ (2)
für oder anstelle von
für den Lehrer
Baskisch
Sublativ
Bewegung auf etwas
auf das Schiff
Ungarisch
Superessiv
Position auf
auf dem Schiff
Ungarisch
Tendenzial
Richtung einer Bewegung
in Richtung Lehrer
Baskisch
Terminativ
Ende einer Bewegung oder Zeit
bis zum Lehrer
Baskisch, Estnisch, Tibetisch, Ungarisch
Translativ
Zustandswechsel
zum Lehrer (werden)
Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Georgisch
Vokativ
Anrede
(Herr) Lehrer!
Sanskrit, Latein, Rumänisch, Griechisch, Georgisch, einige slawische Sprachen wie Štokavisch, Tschechisch, Polnisch, Obersorbisch und Ukrainisch, Litauisch, Irisch
Bearbeiten Kasus und Adpositionen in der Sprachtypologie
In den Sprachen der Welt zeigt sich, dass ein Teil der Sprachen Kasusmarkierungen verwendet, wo ein anderer Teil Adpositionen (Prä- bzw. Postpositionen) benutzt, d. h., der Unterschied zwischen beiden Strategien äußert sich häufig nur in der Morphologie, nicht jedoch in der Funktion (Semantik). Von einigen zeitgenössischen Sprachtypologen wird daher der engl. Begriff flag bzw. flagging („Flagge“ bzw. „Beflaggung“)[25] verwendet, um beide Phänomene im Hinblick auf ihre Semantik unter einem Oberbegriff zusammenzufassen.
Bearbeiten Siehe auch
Kasus-Numerus-Genus-Kongruenz
Kasusgrammatik (nach Fillmore)
Kasustheorie (in der Rektions- u. Bindungstheorie)
Bearbeiten Einzelnachweise
↑ Wendung nach Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. (2002), ISBN 3-520-45203-0/Kasus
↑ Duden, Die Grammatik, 4. Aufl., Rn. 372
↑ Im Einzelnen vergleiche Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. (2002), ISBN 3-520-45203-0/Kasus
↑ Nach Gadler, Praktische Linguistik, 3. Aufl. (1998), S. 179 (dort wird aber nicht explizit vom abstrakten Kasus gesprochen)
↑ Formulierung von Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. (2002), ISBN 3-520-45203-0/Kasus, dort jedoch ohne ausdrückliche Unterscheidung zwischen einem morphologischen und abstrakten Kasusbegriff
↑ Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. (2002), ISBN 3-520-45203-0/Kasusgrammatik
↑ Ulrich, Linguistische Grundbegriffe, 5. Aufl. (2002)/Kasus
↑ a b c Gabriel/Meisenberg, Romanische Sprachwissenschaft (2007), S. 140
↑ Terminologie nach Duden, Die Grammatik, 4. Aufl., Rn. 372 (Unterscheidung für die deutsche Sprache)
↑ Kauderwelsch Band 51, Bulgarisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-240-6, 4. Auflage 2003, Seiten 31 (Pronomen), 50 (Verhältniswörter mit Hinweis auf fehlende Deklination)
↑ Kauderwelsch Band 131, Mazedonisch/Makedonisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-494-8, 2. Auflage 2002, Seiten 43 (Pronomen), 74 (Verhältniswörter)
↑ Kauderwelsch Band 69, Slowenisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-259-7, 5. Auflage 2003, Seite 29
↑ Grammatik der russischen Sprache, ISBN 3-06-502230-3, Seite 137
↑ a b Kauderwelsch Band 211, Sorbisch Wort für Wort, ISBN 978-3-89416-381-5, 1. Auflage 2007, Seiten 26-30
↑ Kauderwelsch Band 93, Kroatisch Wort für Wort, ISBN 978-3-89416-886-5, 9. Auflage 2007, Seite 57
↑ Kauderwelsch Band 93, Serbisch Wort für Wort, ISBN 978-3-89416-537-6, 5. Auflage 2008, Seite 52
↑ a b Kauderwelsch Band 35, Polnisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-527-8, 7. Auflage 2002, Seiten 70-76
↑ Kauderwelsch Band 32, Tschechisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-058-6, 7. Auflage 2004, Seite 27
↑ Kauderwelsch Band 81, Slowakisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-272-4, 4. Auflage 2002, Seiten 50-53
↑ Kauderwelsch Band 79, Ukrainisch für Globetrotter, ISBN 3-89416-270-8, 1. Auflage 1993, Seite 47
↑ Kauderwelsch Band 54, Litauisch Wort für Wort, ISBN 978-3-89416-244-3, 5. Auflage, Seiten 44-51
↑ a b Die baltischen Sprachen, ISBN 3-324-00605-8, Seiten 113 (Litauisch), 283 (Lettisch)
↑ Kauderwelsch Band 82, Lettisch Wort für Wort, ISBN 3-89416-273-2, 3. Auflage 2002, Seite 65
↑ Jan Henrik Holst: Lettische Grammatik, ISBN 3-87548-289-1, Seite 106-121
↑ Martin Haspelmath: Argument marking in ditransitive alignment types. In: Linguistic Discovery. Bd. 3, Heft 1, 2005, S. 1–21.
Bearbeiten Literatur
Barry J. Blake: Case. 2. Auflage. Cambridge University Press, 2001.
Thomas Stolz: Lokalkasussysteme. Aspekte einer strukturellen Dynamik. Egert, Wilhelmsfeld 1992.
Bearbeiten Weblinks
Wiktionary: Kasus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Deklination der deutschen Sprache (deutsche Deklination)
Kasus: Nominativ | Genitiv | Dativ | Akkusativ
Numerus: Singular | Plural | Singularetantum | Pluraletantum
Genus
Kasus – Wikipedia
Dieser Artikel beschäftigt sich mit Kasus in der Grammatik; für andere Bedeutungen siehe Kasuistik. ... Die Bezeichnung Kasus geht etymologisch auf das lateinische Wort ' ...
kasus - Wiktionary
kasus m (definite singular kasusen; indefinite plural kasuser/kasus; ... kasus n. grammatical case. Declension of kasus. singular. plural. Neuter. indefinite. definite ...
kasus - AOL Video
Watch kasus shows and episodes on AOL Video. See the videos of all the kasus shows from AOL and its partners
kasus perceraian - docstoc
Preview and download documents about kasus perceraian. Docstoc is a community for sharing professional documents, find free documents and upload documents to share.
Medical Problem Based Learning (PBL) over the WWW
The Kasus Project is an approach to put the POL/PBL format into a CBT ... In two independent projects "iePBL" and "Kasus online" this idea was realized first for ...
dict.cc | Kasus | English Dictionary
English Translation for Kasus - dict.cc German-English Dictionary
kasus.net
... kommunikasjonsr dgivning, kommunikasjonsbyr , informasjonsbyr , myndighetskontakt, samfunnskontakt, mediekontakt, Kjell Alvheim, Tormod Carlsen, Kasus, ...
METRO TV NEWS
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