1. Brief des Paulus an die Korinther
1. Buch Mose
3. Buch Mose
Akne
Anonyme Alkoholiker
Arne Hoffmann
Aufklärung
Autoerotischer Unfall
Bibel
Brief des Paulus an die Galater
Coitus interruptus
Constitutio Criminalis Theresiana
Cum hoc ergo propter hoc
Cunnilingus
Cybersex
Daoismus
Daoistische Sexualpraktiken
Daoistische Sexualpraktiken#M.C3.A4nnliche Kontrolle der Ejakulation
Denis Diderot
Die Metaphysik der Sitten
Dildo
Diogenes von Sinope
Egoismus
Ehebruch
England
Erogene Zone
Etymologie
Evangelium nach Matthäus
Fellatio
Geschlechtsorgan
Geschlechtsverkehr
Gleitmittel
Griechenland
Gustav Klimt
Hadith
Halacha
Immanuel Kant
Judentum
Künstliche Vagina
Katechismus der Katholischen Kirche
Kinsey-Report
Kizzur Schulchan Aruch#Leben
Kleinkind
Kondom
Kongregation für die Glaubenslehre
Krebs (Medizin)
Kynismus
Latein
Leibesstrafe
Lepra
Levirat
Ludger Lütkehaus
Ludwig XIII.
Masturbation
Missbrauch und Abhängigkeit
Mittelalter
Neurasthenie
Neurolues
Onan
Oralverkehr
Orgasmus
Pamphlet
Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern
Pflanzenöl
Phantasie
Pocken
Pornofilm
Pornografie
Prostatakrebs
Pubertät
Qì
Quacksalber
Römisch-Katholische Kirche
Römisch-katholische Kirche
Robert Koch
Sünde
Safer Sex
Selbstdisziplin
Sex-Puppe
Sexspielzeug
Sexualethik
Sexualforschung
Sexualkunde
Sexualmedizin
Sexuelle Erregung
Shere Hite
Sigmund Freud
Simon-Auguste Tissot
Suizid
Telefonsex
Thomas Laqueur
Tuberkulose
Unzucht
Vibrator
Wahnsinn
Weston La Barre
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Weston La Barre
Masturbation (Zeichnung von Gustav Klimt)
Unter Masturbation wird eine – überwiegend manuelle – Stimulation der Geschlechtsorgane verstanden, die in der Regel zum Orgasmus führt. Dabei können auch verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz kommen.
Inhaltsverzeichnis
1 Formen der Masturbation
2 Etymologie
3 Gesundheitliche Aspekte
4 Techniken und Statistiken
5 Einschätzungen
5.1 Medizingeschichtlich
5.2 Anthropologisch
5.3 Philosophisch
5.4 Religiös
5.4.1 Christentum
5.4.2 Islam
5.4.3 Judentum
5.4.4 Daoismus
6 Siehe auch
7 Literatur
8 Weblinks
9 Einzelnachweise
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Formen der Masturbation
Im häufigsten Fall handelt es sich bei der Masturbation um eine geschlechtliche Selbstbefriedigung, also eine Form der Autosexualität. Eine Masturbation kann jedoch auch an und durch andere Personen ausgeführt werden. Neben der häufigsten Form der Masturbation durch die Benutzung der Hand als Stimulationswerkzeug gibt es auch verschiedene Sexspielzeuge und Masturbationshilfen, die zur Unterstützung der Masturbation eingesetzt werden können.
Die Masturbation stellt gemeinsam mit dem Geschlechtsverkehr die häufigste Form sexueller Aktivitäten dar. Auch als Sexpraktik gemeinsam mit dem Partner ist sie beliebt, da bei vielen Menschen durch die Beobachtung des masturbierenden Partners die sexuelle Erregung gesteigert wird. Sie stellt eine Möglichkeit des „Safer Sex“ dar.
Etymologie
Die Etymologie des Wortes ist nicht sicher geklärt. Am plausibelsten scheint die lateinische Herkunft aus der Vorsilbe „mas-“ („männlich“) mit dem Stammwort „turbare“ („stören, heftig bewegen“); eine stark moralisierende und kirchennahe, aber unetymologische Deutung ergibt sich mit der aus dem Mittellatein schwach belegbaren Ableitung von lateinisch manustupratio (von manus „Hand“ und stuprum „Unzucht“). In dieser Form wird der Begriff häufig als „Befleckung, Unzucht mit der Hand“ übersetzt.
Andere Bezeichnungen vor allem für die Masturbation als Selbst-Befriedigung sind:
Autoerotik bzw. bei Sigmund Freud Autoerotismus.
Onanie (von der biblischen Gestalt Onan – dieser führte jedoch einen Coitus interruptus aus und ließ laut Bibel seinen Samen auf die Erde fallen – (1 Mos 38,1−11 EU); abgeleitet von diesem Begriff wurden Menschen, die masturbierten, auch Onanisten genannt.
Ipsation (lateinisch von ipse „selbst“).
Umgangssprachlich gibt es für die Masturbation von Männern unter anderem die Verben „wichsen“ und „sich einen runterholen“. Dies sind die beiden geläufigsten Ausdrücke; in hochsprachlichem Umgang und Zusammenhang sind sie gesellschaftlich verpönt.
Gesundheitliche Aspekte
Masturbation ist nicht mit gesundheitlichen Schäden verbunden. Beim Mann kann regelmäßiges Masturbieren Prostatakrebs vorbeugen.[1]
Masturbation wird dann als störend oder sogar krankhaft gewertet, wenn sie öffentlich bzw. zwanghaft ausgeübt und zur Sucht wird. Vom psychologischen Standpunkt aus ist Suchtverhalten in jedem Lebensbereich mit Risiken und möglichen Gefährdungen der eigenen Person oder anderer verbunden, daher auch im Hinblick auf die Selbstbefriedigung. Für Menschen, die ihre Masturbationsgewohnheiten als Sucht einschätzen und von ihnen loszukommen versuchen, gibt es inzwischen Selbsthilfegruppen ähnlich den Anonymen Alkoholikern.
Techniken und Statistiken
Masturbierende Frau
Video eines masturbierenden Mannes
Viele Menschen befriedigen sich selbst. Statistisch betrachtet masturbieren mehr Männer (ca. 94 %) als Frauen (ca. 60 bis 80 %),[2] und sie tun dies laut Umfragen auch häufiger. Viele davon entdecken die Masturbation und ihren eigenen Körper bereits in der frühen Pubertät, einige erst später und manche schon als Kleinkind. Männer masturbieren mit etwa 12 Jahren zum ersten Mal, Frauen oft erst regelmäßig, wenn sie auf die 20 zugehen.[2]
Masturbiert wird auf ganz unterschiedliche Weise. Mit den Händen und Fingern oder mit Hilfsmitteln werden die eigenen erogenen Zonen des Körpers stimuliert. Dabei können Gleitmittel die Reizung verbessern. Als Gleitmittel ist hier auch einfaches Pflanzenöl beliebt, da kein Schutz durch ein Kondom benötigt wird, welches durch Öl beschädigt[3] werden könnte.
Es gibt auch technische Hilfsmittel wie Vibratoren und Dildos. Im Spezialhandel erhältlich sind auch Puppen mit weiblichen oder männlichen Sexualmerkmalen. Das Masturbieren erfolgt oft unter starker Beteiligung der Phantasie. Durch optische Reize, durch Musik, durch das Betrachten erotischer Fotos oder Filme (beispielsweise Pornofilme), durch ein warmes Bad und durch akustische Reize können die bei der Selbstbefriedigung empfundenen Lustgefühle gesteigert werden.
Gelenkigen Menschen ist auch die orale Selbstbefriedigung möglich; man spricht dann bei Männern von Autofellatio. Der Kinsey-Report nennt eine Zahl von 0,2 bis 0,3 % der männlichen Bevölkerung, die dazu in der Lage sind. Hingegen ist die Zahl der Männer, die dies wenigstens ausprobiert haben, wesentlich höher; auch ist dies ein nicht seltener Bestandteil masturbatorischer Traum-Phantasien. Kinsey vermutet hier einen animalischen Hintergrund, denn bei Primaten ist Autofellatio eine normale Form der sexuellen Betätigung.
Bei Frauen wird diese Fähigkeit entsprechend als Autocunnilingus bezeichnet. Eine geeignete Stellung bei Frauen ist jedoch mit extrem wenigen Ausnahmen unmöglich.
In jüngerer Zeit eröffnen sich etwa mit Telefon- oder Cybersex neue Möglichkeiten der Ausübung der Masturbation.
Einschätzungen
Medizingeschichtlich
Korsett zur Verhinderung der Masturbation, aus einem französischen Buch von ca. 1815
Titelblatt von Versuch von denen Krankheiten, welche aus der Selbstbefleckung entstehen (1760)
Auch im antiken Griechenland mit seiner moralischen Freizügigkeit war Sexualität durchaus kein tabuloses Thema. Dennoch gab es Vertreter des Kynismus, die das Ziel hatten, zum Naturzustand zurückzukehren, „den sie in tierischen und kindlichen Verhaltensweisen gegenüber der Kultur, dem Anerzogenen (Paidéia) sahen.“[4] Einer ihrer Vertreter, Diogenes von Sinope, galt als Meister der Provokation und sagte, als er sich öffentlich auf dem Marktplatz befriedigte: „Könnte man doch auch den Bauch ebenso reiben, um den Hunger loszuwerden“. Viele andere griechische Philosophen standen der Masturbation jedoch kritischer gegenüber als Diogenes.[4]
Ab dem späten Mittelalter wurde sie genauso wie alle anderen Formen der Sexualität, die nicht ausschließlich der Fortpflanzung dienten, von der römisch-katholischen Kirche als Sünde betrachtet und teilweise als widernatürliche Unzucht. In der 1768 eingeführten und bis 1787 gültigen Constitutio Criminalis Theresiana wird es im selben Paragrafen wie die anderen „Unkeuschheiten wider die Natur“ abgehandelt und es war mindestens eine angemessene Leibesstrafe vorgesehen. Über den späteren französischen König Ludwig XIII. (*1601) ist dagegen bekannt, dass dessen Leibarzt schrieb, Kindermädchen sollten zur „abendlichen Beruhigung“ Jungen im „Kitzeln des Penis“ unterweisen.
In der Aufklärung erfuhr sie eine Brandmarkung als „soziale Gefahr“ und „unnatürliches Verhalten“ jenseits der rein religiösen Verurteilung.
Im Jahr 1712 erschien in England das vermutlich von dem geschäftstüchtigen Quacksalber und Schriftsteller John Marten geschriebene und anonym veröffentlichte Pamphlet Onania: or, the Heinous Sin of Self-Pollution („Onanie oder die abscheuliche Sünde der Selbstbeschmutzung“), das nach und nach in alle europäischen Sprachen übersetzt wurde und große Verbreitung erfuhr. Darin wurde behauptet, dass exzessive Masturbation vielfältige Krankheiten wie Pocken und Tuberkulose verursachen könne. Bezeichnend ist, dass John Marten gleichzeitig zahlreiche kleinere softpornografische Schriften veröffentlichte und in Onania eine von ihm erfundene „Medizin“ gegen die angeblich aus der Masturbation resultierenden Krankheiten anbot. Selbst die großen Aufklärer der Zeit glaubten dem anonym veröffentlichten Werk. Denis Diderot nahm die fragwürdigen Thesen sogar in seine Encyclopédie auf.
Im 18. und 19. Jahrhundert fand in der Folge in ganz Europa geradezu ein „Feldzug gegen die Masturbation“ statt. Es erschienen unzählige wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Veröffentlichungen, die die angeblichen Gefahren der Masturbation anprangerten und Methoden zu ihrer Verhinderung anboten. Als Standardwerk kann die ab 1760 in unzähligen Auflagen verbreitete Schrift L'Onanisme. Dissertation sur les maladies produits par la masturbattion („Die Onanie. Abhandlung über Krankheiten durch Masturbation“) des Lausanner Arztes Simon-Auguste Tissot gelten.
Erst von jener Zeit an wurde die betreffende Bibelstelle über Onan nicht mehr als Coitus interruptus begriffen.
Falsche Vorstellungen kursierten über Jahrhunderte, dass „Selbstbefleckung” die gesunde geschlechtliche Entwicklung eines Knaben behindere und zur Gehirnerweichung und zum Rückenmarksschwund führe. Auch Krebs, Wahnsinn oder Lepra sollten angeblich die Folge der Masturbation sein. Erst nachdem Robert Koch 1882 den Tuberkelbazillus entdeckte, behaupten die Mediziner nicht mehr, dass Masturbieren Tuberkulose hervorrufe.
Neben gesundheitlichen Gefahren wurden auch moralische Argumente gegen die Masturbation vorgebracht: sie sei egoistisch, verleite zur Disziplinlosigkeit, stelle ein „nutzloses Vergnügen“ dar und wurde mitunter als „sexueller Missbrauch“[5] bezeichnet. Die Masturbation fördere die Abkapselung des Masturbators von der Gesellschaft, da er zu seiner sexuellen Befriedigung keinen Partner benötigt.
Sigmund Freud befasste sich eingehend mit der Masturbation und führte die Gegenthese, Masturbation sei in der Jugend natürlich und für Kinder förderlich, um die eigene Sexualität zu entdecken. Exzessive Masturbation sah er jedoch als mögliche Ursache für Neurasthenie an.
Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war der Glaube weit verbreitet, dass Akne durch Masturbation hervorgerufen werde. Die Hypothese konnte sich wohl deshalb so lange halten, weil Jugendliche in der Pubertät fast immer unter Akne leiden und gleichzeitig in der Pubertät auch häufig masturbieren (siehe auch Cum hoc ergo propter hoc). Bis in die 1980er Jahre wurde Masturbation auch in medizinischen Kreisen gelegentlich als unreife, im Erwachsenenalter als pathologische Form der Sexualität betrachtet.[6]
Anthropologisch
In Muelos: A Stone Age Superstition about Sexuality rekonstruiert der US-Anthropologe Weston La Barre die Ursachen des weltweiten Aberglaubens, männliche Masturbation führe zur Minderung von Nervensubstanz, und entdeckt sie in einer primitiven Fehleinschätzung des Wesens menschlicher Hirnmasse, die nicht als Substrat für Informationsverarbeitung, sondern Kraftstoff vorgestellt werde.
Philosophisch
Der Philosoph der Aufklärung Immanuel Kant sah Selbstbefriedigung als eine sittliche Verfehlung. Für ihn ist der natürliche Zweck des Sexualtriebes, dem nicht zuwider gehandelt werden dürfe, die Fortpflanzung. In seiner Metaphysik der Sitten legt er dar, dass die „wohllüstige Selbstschändung“ (d. h. die Masturbation) eine Verletzung der Pflicht des Menschen gegen sich selbst sei, weil er seine eigene Persönlichkeit aufgebe, indem er sich selbst als reines Mittel zur Befriedigung seiner Triebe gebrauche.[7] Diese Selbstaufgabe erfordere nicht einmal Mut, sondern nur ein Nachgeben gegenüber dem Trieb, und wird deshalb von Kant als noch schlimmeres moralisches Vergehen bewertet als der Selbstmord.
Religiös
Christentum
Die Einordnung der Masturbation als sündhaft von den verschiedenen Kirchen ist nicht einheitlich. Es gibt aber Bibelstellen, die üblicherweise auf Masturbation angewendet werden. Die genaue Interpretation ist umstritten.
Grundsätzlich ist anzumerken, dass Gott in der Bibel dem Volk Israel detaillierte Vorschriften bzgl. seines Sexualverhaltens macht (Lev 18,6-23 EU und Lev 20,10-21 EU), dabei jedoch Masturbation ausdrücklich nicht erwähnt.
Meist wird die Bibelstelle Gen 38,8-10 LUT als Lehrmeinung gegen Masturbation zitiert. Allerdings bestraft Gott Onan (daher der Begriff Onanie) nicht wegen Masturbation, auch nicht wegen des Coitus interruptus, sondern wegen des Nichtvollzugs des im Judentum vorgeschriebenen Levirats (Heirat der Witwe seines verstorbenen Bruders, um ihr Nachkommen zu gewähren, die sie im Alter versorgen und den Namen des Bruders weiterbestehen zu lassen).
Andere Bibelstellen befassen sich mit übersteigerten Grundbedürfnissen und kritisieren z. B. in Gal 5,19-26 LUT Sucht und suchtähnliche Gewohnheiten. Hier geht es auch um die Frage, inwiefern die betroffene Person noch über ihre eigenen Gefühle herrscht.
Außerdem gibt es teilweise die Auffassung, dass Sexualität generell in die Ehe gehöre.
Wenn sie sich aber nicht enthalten können, sollen sie heiraten; denn es ist besser zu heiraten, als sich in Begierde zu verzehren. (1 Kor 7,9 LUT)
Nach rabbinischer Auslegung lag das heiratsfähige Alter bei 12 (Mädchen) bzw. 13 (Jungen) Jahren, was nach Fritz Rienecker auf die frühere Pubertät in südlichen Ländern zurückzuführen sei.[8] Deshalb bezeichnet die Bibel lediglich Untreue bzw. Ehebruch als Sünde. Weiterhin warnt die Bibel in Mt 5,27-28 LUT vor sexuellen Fantasien mit einem anderen als dem eigenen Ehepartner. Über innereheliche Selbstbefriedigung dagegen (z. B. wenn ein Partner zum Verkehr nicht bereit oder unfähig ist) trifft die Bibel keine klare Aussage.
Nach Auffassung der römisch-katholischen Kirche stellt Selbstbefriedigung als „absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Ziel, geschlechtliche Lust hervorzurufen“[9], wie auch jeglicher freiwillige, außereheliche „Gebrauch der Geschlechtskraft“, eine „in sich schwere ordnungswidrige Handlung“ dar.[10] Allerdings werden in der Seelsorge Faktoren wie „affektive Unreife, die Macht eingefleischter Gewohnheiten, Angstzustände und weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren“ berücksichtigt, „welche die moralische Schuld vermindern oder sogar auf ein Mimimum beschränken können.“[9]
Islam
Im Koran findet sich folgendes:
1 Erfolg fürwahr krönt die Gläubigen, […] 5 die ihre Sinnlichkeit im Zaum halten – 6 Es sei denn mit ihren Gattinnen oder denen, die ihre Rechte besitzt, denn dann sind sie nicht zu tadeln; 7 Die aber darüber hinaus Gelüste tragen, die sind die Übertreter (Sure 23, Vers 5–7)
Zwar ist diese Koranstelle bezüglich Masturbation in ihrer Aussage ähnlich unscharf wie die o. g. Bibelzitate, in der 24. Koransure findet sich aber eine eindeutige Aussage in Vers 33:
33 Und diejenigen, die keine (Gelegenheit) zur Ehe finden, sollen sich keusch halten, bis Allah sie aus Seiner Fülle reich macht. […]
Es gibt darüber hinaus noch eine Reihe von Hadiths (Lehrschriften anerkannter Propheten), von denen sich einige auch zur Masturbation ablehnend äußern. Unter anderem wird Fasten zur Vermeidung von Sünde empfohlen.
Judentum
Auch für das Judentum gelten die Gesetze und Regeln des Alten Testaments, dem „Gesetz und den Propheten“, der religiösen Grundlage für Christen und Juden gleichermaßen. Auch hier gilt aber, wie im Christentum, dass sich die jüdischen Schriften nicht eindeutig zur Masturbation äußern.
Es gibt rituelle Unreinheit, die den Menschen von der Begegnung mit Gott (z. B. im Gottesdienst) ausschließt. Samenerguss nach Lev 15,16 LUT gilt im Judentum (wie auch Eiterfluss, krankhafte Blutung oder die weibliche Menstruation) als Verlust von Lebenskeimen bzw. Lebenskraft und verunreinigt so den Körper. Von der Sünde unterscheidet sich diese Unreinheit dadurch, dass Sünde nur durch Opfer beseitigt werden kann, Unreinheit erfordert kultische Waschungen und eine Wartezeit (meist bis zum nächsten Abend).[11]
Der Kizzur Schulchan Aruch (ein volkstümliches Kompendium von 1834, das sich u. a. durch die ausschließliche Behandlung von häufig auftretenden rechtlichen Fragen des täglichen Lebens auszeichnet) sagt:
Es ist verboten, nutzlos Samen zu verschwenden. Dies ist ein Verbrechen, das schwerer ist, als alle anderen Verstöße gegen die Thora (die fünf Bücher des Moses in der Bibel). Diejenigen, die masturbieren und so nutzlos Samen verschwenden, übertreten nicht nur ein strenges Gebot, sondern jemand der das tut, muss auch mit dem Bann belegt werden. Über so jemanden steht geschrieben: ‚Deine Hände sind voll Blut‘ (Jesaja 1,15). Er ist somit einem Mörder gleich. (Kizzur Schulchan Aruch 151, 1)
Daoismus
→ Hauptartikel: Daoistische Sexualpraktiken
Im Unterschied zu vielen anderen Religionen sieht der Daoismus in der Masturbation keine „Sünde“, betrachtet aber die zum Samenerguss führende männliche Masturbation kritisch, weil sie durch die Verschwendung des Samens einen Verlust an Lebensenergie (Qì) verursache und zu Schwächung und Krankheit des Körpers führe. Die daoistisch korrekt — also ohne Ejakulation — ausgeführte Masturbation dagegen wird nicht nur toleriert, sondern sogar als für den Körper gesund angesehen.[12] (Siehe auch: Daoistische Sexualpraktiken, Abschnitt zur männlichen Ejakulation.)
Siehe auch
Sexualforschung
Sexualkunde
Sexualmedizin
Sexualethik
Autoerotischer Unfall
Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern
Künstliche Vagina
Literatur
Caroline Erb/Deborah Klingler: Mysterium Masturbation. Wenn sich Frauen selber lieben. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main [u. a.] 2004, ISBN 3-631-52098-0
Shere Hite: Das sexuelle Erleben der Frau. 1977, ISBN 3-442-11252-4
Arne Hoffmann: Onanieren für Profis, Marterpfahl Verlag, Nehren 2005, ISBN 3-936708-16-9
Wiebke und Axel H. Kunert: Das Handbuch der Onanie, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin, 2002, ISBN 3-89602-402-7
Thomas Laqueur: Solitary Sex – A Cultural History of Masturbation. Zone Books, 2003, ISBN 1-890951-32-3[13]
Ludger Lütkehaus: O Wollust, o Hölle – Die Onanie, Stationen einer Inquisition, Fischer Taschenbuch Verlag, ISBN 3-596-10661-3
Gudrun Piller: Private Körper. Spuren des Leibes in Selbstzeugnissen des 18. Jahrhunderts. Böhlau, Köln 2007, ISBN 978-3-412-05806-7, S. 190–197
Weblinks
Commons: Masturbation – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Masturbation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikisource: Versuch von denen Krankheiten, welche aus der Selbstbeflekung entstehen – Quellen und Volltexte
Einzelnachweise
↑ Sexual factors and prostate cancer 2003 erschienen im British Journal of Urology (BJU International, Bd. 92, S. 211)
↑ a b Lifeline: Selbstbefriedigung (aufgerufen am 7. August 2008)
↑ pro familia: Das Kondom. Abgerufen am 30. Mai 2010.
↑ a b Christine Pernlochner-Kügler in: Körperscham und Ekel – wesentlich menschliche Gefühle (Google Books) mit einem Zitat von Diogenes in Laertius: Leben und Meinungen berühmter Philosophen, S. 316 f.
↑ Vgl. etwa Leopold Loewenfeld (1847–1924): Über die geistige Arbeitskraft und ihre Hygiene, J.F. Bergmann, 1905, S. 35 und einige andere von etwa 1860 bis 1910/1920.
↑ Vgl. etwa Einträge « Masturbation » und « Perversion » in: André Domart, Jacques Bourneuf (Hrsg.): Nouveau Larousse Médical. Librairie Larousse, Paris 1981, ISBN 2-03-501301-1
↑ Immanuel Kant: Die Metaphysik der Sitten, 2. Teil, I. § 7
↑ Fritz Rienecker: Lexikon zur Bibel (Artikel zur Ehe), Brockhaus, 1988 (19. Gesamtauflage), ISBN 3-417-24585-0
↑ a b Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2352. Neuübersetzung aufgrund der Editio Typica Latina. Oldenbourg, München 2005
↑ Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung „Persona humana“ 9
↑ Fritz Rienecker: Lexikon zur Bibel, R. Brockhaus (19. Gesamtauflage 1988), ISBN 3-417-24585-0
↑ Stephen T. Chang: Das Tao der Sexualität, Genf 1992, ISBN 3-7205-1701-2, S. 87 ff.
↑ Lutz Sauerteig: (Ausführliche) Rezension in: sehepunkte 4 (2004), Nr. 11 [15. Nov. 2004]
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