Übergangsmetalle
5. Jahrtausend v. Chr.
Actinium
Actinoide
Aggregatzustand
Akanthit
Akkadische Sprache
Alexander Parkes
Alkalimetalle
Allargentum
Altes Ägypten
Altgriechische Sprache
Althochdeutsch
Aluminium
Amalgam
Americium
Amerika
Ammoniakwasser
Amphoter
Anatomisch-Therapeutisch-Chemisches Klassifikationssystem
Anodenschlamm
Antibiotikum
Antimikrobielle Ausrüstung
Antimon
Argon
Argyrie
Arsen
Assyrer
Astat
Athen
Atomare Masseneinheit
Atommasse
Atomradius
Australien
Austrittsarbeit
Böhmen
Bakterizid
Baltische Sprachen
Barium
Basizität
Baskische Sprache
Batterie
Belchen (Schwarzwald)
Bergmann-Schaefer Lehrbuch der Experimentalphysik
Bergwerk
Berkelium
Beryllium
Betastrahlung
Bismut
Blei
Blei(II)-oxid
Bleiglanz
Block des Periodensystems
Bohrium
Bolivien
Bor
Brom
Bronze
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
CAS-Nummer
Cadmium
Caesium
Calcium
Californium
Cer
Chemisches Element
Chemisches Element#Sortierte Liste chemischer Elemente
Chile
Chlor
Chlorargyrit
Chloride
Chrom
Cobalt
Copernicium
Curium
Darmstadtium
Dendrit (Kristallographie)
Dentaltechnik
Desinfektionsmittel
Deutschland
Diamagnetismus
Diamant
Dichte
Digital Object Identifier
Donnersberg
Dorfitter
Dubnium
Duktilität
Dysprosium
Edelgase
Edelmetall
Edelmetalle
Edelstein
Einsteinium
Eisen
Elektrik
Elektrische Leitfähigkeit
Elektrizität
Elektrolyse
Elektrolyt
5. Jahrtausend v. Chr.
Actinium
Actinoide
Aggregatzustand
Akanthit
Akkadische Sprache
Alexander Parkes
Alkalimetalle
Allargentum
Altes Ägypten
Altgriechische Sprache
Althochdeutsch
Aluminium
Amalgam
Americium
Amerika
Ammoniakwasser
Amphoter
Anatomisch-Therapeutisch-Chemisches Klassifikationssystem
Anodenschlamm
Antibiotikum
Antimikrobielle Ausrüstung
Antimon
Argon
Argyrie
Arsen
Assyrer
Astat
Athen
Atomare Masseneinheit
Atommasse
Atomradius
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Austrittsarbeit
Böhmen
Bakterizid
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Basizität
Baskische Sprache
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Belchen (Schwarzwald)
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Beryllium
Betastrahlung
Bismut
Blei
Blei(II)-oxid
Bleiglanz
Block des Periodensystems
Bohrium
Bolivien
Bor
Brom
Bronze
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
CAS-Nummer
Cadmium
Caesium
Calcium
Californium
Cer
Chemisches Element
Chemisches Element#Sortierte Liste chemischer Elemente
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Chlor
Chlorargyrit
Chloride
Chrom
Cobalt
Copernicium
Curium
Darmstadtium
Dendrit (Kristallographie)
Dentaltechnik
Desinfektionsmittel
Deutschland
Diamagnetismus
Diamant
Dichte
Digital Object Identifier
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Dorfitter
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Duktilität
Dysprosium
Edelgase
Edelmetall
Edelmetalle
Edelstein
Einsteinium
Eisen
Elektrik
Elektrische Leitfähigkeit
Elektrizität
Elektrolyse
Elektrolyt
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Silber (Begriffsklärung) aufgeführt.
Eigenschaften
Kr 4d105s1
47
Ag
Periodensystem
Allgemein
Name, Symbol, Ordnungszahl
Silber, Ag, 47
Serie
Übergangsmetalle
Gruppe, Periode, Block
11, 5, d
Aussehen
weißglänzend, metallisch
CAS-Nummer
7440-22-4
ATC-Code
D08AL30
Massenanteil an der Erdhülle
0,12 ppm[1]
Atomar [2]
Atommasse
107,8682 u
Atomradius (berechnet)
160 (165) pm
Kovalenter Radius
145 pm
Van-der-Waals-Radius
172 pm
Elektronenkonfiguration
Kr 4d105s1
Elektronen pro Energieniveau
2, 8, 18, 18, 1
Austrittsarbeit
4,26 eV[3]
1. Ionisierungsenergie
731,0 kJ/mol
2. Ionisierungsenergie
2070 kJ/mol
3. Ionisierungsenergie
3361 kJ/mol
Physikalisch [2]
Aggregatzustand
fest
Kristallstruktur
kubisch flächenzentriert
Dichte
10,49 g/cm3 (20 °C)[4]
Mohshärte
2,5 bis 3
Magnetismus
diamagnetisch (χm = −2,4 · 10−5)[5]
Schmelzpunkt
1234,93 K (961,78 °C)
Siedepunkt
2435 K (2162 °C)
Molares Volumen
10,27 · 10−6 m3/mol
Verdampfungswärme
255 kJ/mol
Schmelzwärme
11,3 kJ/mol
Schallgeschwindigkeit
2600 m/s
Elektrische Leitfähigkeit
61,35 · 106 A/(V · m)
Wärmeleitfähigkeit
430 W/(m · K)
Chemisch [2]
Oxidationszustände
+1, +2, +3
Oxide (Basizität)
Ag2O, Ag2O2 (amphoter)
Normalpotential
0,7991 V (Ag+ + e− → Ag)
Elektronegativität
1,93 (Pauling-Skala)
Isotope
Isotop
NH
t1/2
ZM
ZE MeV
ZP
105Ag
{syn.}
41,29 d
ε
1,346
105Pd
106Ag
{syn.}
23,96 min
ε
2,965
106Pd
β−
0,195
106Cd
106mAg
{syn.}
8,28 d
ε
3,055
106Pd
IT
0,090
106Ag
107Ag
51,839 %
Stabil
108Ag
{syn.}
2,37 min
β−
1,649
108Cd
ε
1,918
108Pd
108mAg
{syn.}
418 a
ε
2,027
108Pd
IT
0,109
108Ag
109Ag
48,161 %
Stabil
110Ag
{syn.}
24,6 s
β−
2,892
110Cd
ε
0,893
110Pd
110mAg
{syn.}
249,79 d
β−
3,010
110Cd
IT
0,118
110Ag
111Ag
{syn.}
7,45 d
β−
1,037
111Cd
Weitere Isotope siehe Liste der Isotope
NMR-Eigenschaften
Spin
γ in
rad·T−1·s−1
E
fL bei
B = 4,7 T
in MHz
107Ag
1/2
-1,089 · 107
3,5 · 10−5
4,05
109Ag
1/2
-1,252 · 107
4,95 · 10−5
4,65
Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung [6]
keine Gefahrensymbole
R- und S-Sätze
R: keine R-Sätze
S: keine S-Sätze
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet.
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Silber ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Ag und der Ordnungszahl 47. Es zählt zu den Übergangsmetallen, im Periodensystem steht es in der 5. Periode und der 1. Nebengruppe (Gruppe 11) oder Kupfergruppe. Das Elementsymbol Ag leitet sich vom lateinischen Wort argentum für „Silber“ ab. Silber ist ein Edelmetall.
Es ist ein weiches, gut verformbares (duktiles) Schwermetall mit der höchsten elektrischen Leitfähigkeit aller Elemente und der höchsten thermischen Leitfähigkeit aller Metalle, lediglich Supraflüssigkeiten und Diamanten weisen eine bessere thermische Leitfähigkeit auf.[7]
Inhaltsverzeichnis
1 Etymologie
2 Geschichte
3 Vorkommen
4 Förderung
5 Gewinnung und Darstellung
5.1 Gewinnung aus Silbererzen
5.2 Gewinnung aus Bleierzen
5.3 Gewinnung aus Kupfererzen
5.4 Raffination
6 Eigenschaften
6.1 Physikalische Eigenschaften
6.2 Chemische Eigenschaften
6.3 Biologisch-medizinische Eigenschaften
7 Verwendung
7.1 Verwendung als Edelmetall
7.2 Silber in medizinnahen Anwendungen
7.3 Silber in der Katalyse
7.4 Nichtmetallische und nicht bakterizide Silberanwendungen
8 Silberlegierungen
8.1 Wichtige Silberlegierungen
9 Verbindungen
9.1 Silberhalogenide
9.2 Silberchalkogenide
9.3 Weitere wichtige Silberverbindungen
10 Nachweis
11 Heraldik
12 Siehe auch
13 Literatur
14 Einzelnachweise
15 Weblinks
//
Etymologie
Das Wort „Silber“ leitet sich über das althochdeutsche silabar aus der gemeingermanischen Wurzel *silubra- ab. Aus dieser Wurzel leiten sich auch die Bezeichnungen in den anderen germanischen (engl. silver), den baltischen (litauisch sidabras) und slawischen Sprachen (russisch серебро) sowie das baskische zilar ab. Letztlich ist das Etymon aber wohl nicht germanischen Ursprungs, sondern einer orientalischen Sprache entlehnt. Die Philologie des 19. Jahrhunderts brachte eine Vielzahl von Theorien über den Ursprung des Wortes hervor. Der bis heute häufig zu lesende Zusammenhang mit dem in Homers Ilias beschriebenen sagenhaften Land Alybē (Ἀλύβη) wurde 1870 von Victor Hehn hergestellt, muss Spekulation bleiben. Wahrscheinlicher ist eine Ableitung von der semitischen Wurzel ṢRP (vgl. akkadisch ṣarāpu, „veredeln, legieren“).
In den meisten anderen indoeuropäischen Sprachen geht das Wort für Silber auf die genuin indogermanische Wurzel *arg zurück, so griechisch argyros (ἄργυρος) und lat. argentum. Wegen seiner Vorkommen von Silbererzen erhielt Argentinien seinen Namen; es ist das einzige nach einem chemischen Element benannte Land. Andererseits ist die Namensgebung eines Elementes nach einem Land häufiger, z. B. Francium, Germanium und Polonium.[8]
Geschichte
Silber wird von Menschen etwa seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. verarbeitet. Es wurde zum Beispiel von den Assyrern, den Goten, den Griechen, den Römern, den Ägyptern und den Germanen benutzt. Zeitweise galt es wertvoller als Gold. Das Silber stammte meistens aus den Minen in Laurion, die etwa 50 Kilometer südlich von Athen lagen. Bei den alten Ägyptern war Silber als Mondmetall bekannt.
Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit wurden in Deutschland Silbererzvorkommen im Harz (Goslar), in Waldeck-Frankenberg (Frankenberg, Goddelsheim, Dorfitter, Thalitter), am Donnersberg (Imsbach), im Thüringer Wald (Ohrdruf), in Sachsen (Freiberg und im übrigen Erzgebirge), im Südschwarzwald (Schauinsland, Belchen, Münstertal, Feldberg), Böhmen (Kutná Hora) und der Slowakei entdeckt.
Größter Silberproduzent im Mittelalter war Schwaz. Bis zu 80 % des damaligen Silbers kam aus den Stollen der Schwazer Knappen.
Später brachten die Spanier große Mengen von Silber aus Amerika, unter anderem aus der sagenumwobenen Mine von Potosí, nach Europa. Auch Japan war im 16. Jahrhundert Silberexporteur. Durch das gestiegene Angebot sank der Silberwert in der alten Welt.
Da nach 1870 vorwiegend Gold als Währungsmetall verwendet wurde, verlor das Silber seine wirtschaftliche Bedeutung immer mehr. Das Wertverhältnis sank von 1:14 einige Zeit lang auf 1:100, später stieg es wieder etwas an. Heute liegt es bei ungefähr 1:60. Das Angebot an Silber ist von der Verbrauchs- und Produktionsentwicklung anderer Metalle abhängig.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde rostfreier Stahl entwickelt, der dann aufgrund seiner Gebrauchsfreundlichkeit und des attraktiven Preises nach dem Ersten Weltkrieg in die Einsatzbereiche des Silbers vordrang, etwa Servierplatten, Bestecke, Leuchter und Küchengerät. Gegenläufig dazu hat sich der Bereich Fotografie und Fotochemie unter Verwendung der Silbersalze während des ganzen 20. Jahrhunderts breit entwickelt, verliert aber seit Ende der 1990er Jahre im Zuge der Umstellung auf die digitale Abbildungstechnik wieder an Bedeutung.
Silber wird zunehmend im Bereich Elektrik/ Elektronik sowie zur Kontrolle von Mikroben eingesetzt.
Durch diese Entwicklung ist die Silbernachfrage weltweit weiter steigend und wird aktuell (2006) noch dadurch gedeckt, dass einige Staaten, zum Beispiel die Volksrepublik China, zur Zeit ihre Silberreserven veräußern.
Vorkommen
Silbergeflecht auf Akanthit (Größe: 6,3 x 4,6 x 3,4 cm) aus der Imiter Mine, Souss-Massa-Daraâ, Marokko
Kongsbergit aus Coquimbo, Chile
Silber ist ein seltenes Element, das mit einem Anteil von etwa 0,079 ppm (entsprechend 0,0000079 Prozent) in der Erdkruste vorkommt. Es ist damit etwa 20 mal häufiger als Gold und rund 700 mal seltener als Kupfer.[9] In der Natur tritt es gediegen, das heißt elementar meist in Form von Körnern oder als drahtig verästeltes Geflecht (Dendrit) in hydrothermal gebildeten Erzgängen auf. Von der International Mineralogical Association (IMA) ist es daher in der Strunz'schen Mineralsystematik unter der System-Nr. 1.AA.05 bzw. veraltet unter I/A.01-20 als Mineral anerkannt.
Neben gediegen Silber, das in der Natur bisher (Stand: 2010) an rund 3850 Fundorten nachgewiesen werden konnte,[10] findet man es vor allem in sulfidischen Mineralen. Zu den wichtigsten sulfidischen Silbererzen zählen unter anderem Akanthit (Silberglanz) Ag2S mit einem Silbergehalt von etwa 87 % und Stromeyerit (Kupfersilberglanz) CuAgS mit etwa 53 % Silberanteil. Das Mineral mit dem höchsten Silberanteil von maximal 99 % ist allerdings das selten vorkommende Allargentum. Ebenfalls selten vorkommende Silberminerale sind unter anderem der Chlorargyrit (veraltet Hornerz bzw. Silberhornerz) AgCl und der Miargyrit (Silberantimonglanz) AgSbS2. Insgesamt sind einschließlich gediegen Silber bisher (Stand: 2010) 167 Silberminerale bekannt.[11]
Neben diesen Silbererzen findet man noch sogenannte silberhaltige Erze, die meist nur geringe Mengen Silber (0,01–1 %) enthalten. Dies sind häufig Bleiglanz (PbS) und Kupferkies (CuFeS2). Aus diesem Grund wird Silber häufig als Nebenprodukt bei der Blei- oder Kupferherstellung gewonnen.
Ein als Kongsbergit bezeichnetes Silberamalgam mit einem Quecksilbergehalt von etwa 5 % wird als Varietät dem Silber zugerechnet.[12]
Die wichtigsten Silbervorkommen befinden sich in Nordamerika (Mexiko, den USA und Kanada) und in Südamerika (Peru, Bolivien). Mit rund 30% der globalen Förderung ist Peru der weltweit größte Silberproduzent.[13]
Förderung
Zeitlicher Trend der Silberförderung
Das meiste Silber wird aber aus Silbererzen gewonnen, die oft zusammen mit Blei-, Kupfer- und Zinkerzen als Sulfide oder Oxide vorkommen. Wichtige Fundorte von gediegenem Silber waren: Freiberg/Erzgebirge; Schwaz (Tirol); Kongsberg/Norwegen (dort auch große Kristalle); St. Andreasberg/Harz; Keweenaw-Halbinsel/USA (dort mit gediegenem Kupfer als „halfbreed“); Batopilas/Mexiko; Mansfelder Kupferschiefer-Revier (Eisleben, Sangerhausen; meist Silberbleche; auch als Versteinerungsmaterial von Fossilien).
Zwischen dem Beginn des 20. Jahrhunderts und dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat die jährlich geförderte Silbermenge zwar fluktuiert, ist aber ziemlich konstant geblieben. Nach Kriegsende hat sich die Fördermenge bis heute mehr als verdoppelt.
Das polnische Unternehmen KGHM ist mit durchschnittlich 1.200 Tonnen Jahresförderung das bedeutendste Silberunternehmen der EU und das zweitgrößte weltweit.
Laut einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung sowie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe beträgt die Reichweite der Silberressourcen nur noch 29 Jahre. Somit ist mit einer Verknappung von Silber in den nächsten Jahrzehnten zu rechnen.[14]
Die Staaten mit der größten Förderung weltweit (2008)[15]
Rang
Land
Fördermengen
(in t)
1
Peru
3500
2
Mexiko
3000
3
China
2560
4
Chile
1900
5
Australien
1880
6
USA
1260
7
Polen
1200
8
Kanada
800
9
Südafrika
70
10
alle übrigen
4630
Gesamtmenge
20.800
Wie bei den anderen Edelmetallen spielt die Wiederaufarbeitung silberhaltiger Materialien im Rahmen des Recyclings, beispielsweise von Fotopapieren, Röntgenfilmen, Entwickler- und Fixierbädern, Elektronikmaterialien und Batterien eine wichtige Rolle.
Gewinnung und Darstellung
Gewinnung aus Silbererzen
20 % des Silbers wird aus Silbererzen gewonnen. Aus diesen wird das Silber meist durch Cyanidlaugerei mit Hilfe einer 0,1 %-igen Natriumcyanid-Lösung herausgelöst. Dazu wird das Erz zunächst fein zu einem Schlamm zerkleinert. Anschließend wird die Natriumcyanid-Lösung dazugegeben. Dabei ist eine gute Belüftung wichtig, da für das Verfahren Sauerstoff benötigt wird.
Bei der Zugabe von Natriumcyanid gehen sowohl elementares Silber als auch Silbererze (Ag2S, AgCl) als Dicyanoargentat(I) [Ag(CN)2− in Lösung:
,
,
.
Da die Reaktion von Natriumcyanid mit Silbersulfid in einem Gleichgewicht steht, muss das Natriumsulfid entweder durch Oxidation mit Sauerstoff oder durch Fällung (z. B. als Bleisulfid) entfernt werden. Anschließend fällt man das edlere Silber – ähnlich wie bei der Goldgewinnung – mit Zink aus:
.
Das ausgefallene Rohsilber (Werksilber[16]) wird abgefiltert und weiter gereinigt (s. Raffination).
Gewinnung aus Bleierzen
Bei der Gewinnung von Bleierzen, z. B. aus Bleiglanz, entsteht nach dem Rösten und Reduzieren das sogenannte Rohblei oder Werkblei (genauere Informationen zur Bleigewinnung im Artikel Blei). Dieses enthält meist noch einen Anteil Silber (zwischen 0,01 und 1 %). Im nächsten Schritt wird nun das Edelmetall entfernt und so dieses wertvolle Nebenprodukt gewonnen.
Zur Gewinnung muss zunächst das Silber vom größten Teil des Bleis getrennt werden. Dies geschieht durch das Verfahren des Parkesierens (nach Alexander Parkes, der dieses Verfahren 1842 erfand).[17] Das Verfahren beruht auf der unterschiedlichen Löslichkeit von Silber und Blei in Zink. Bei Temperaturen bis 400 °C sind Blei (flüssig) und Zink (fest) praktisch nicht mischbar. Zunächst wird bei Temperaturen >400 °C zum geschmolzenen Blei Zink gegeben. Danach wird die Mischung abgekühlt. Da Silber im geschmolzenen Zink leicht löslich ist, geht es in die Zinkphase über. Anschließend erstarrt die Zinkschmelze als so genannter Zinkschaum (Zink-Silber-Mischkristalle). Dadurch kann das Silber vom größten Teil des Bleis getrennt werden. Dieser Zinkschaum wird auch als Armblei bezeichnet. Er wird anschließend bis zum Schmelzpunkt des Bleis (327 °C) erhitzt, so dass ein Teil des Bleis schmilzt und entfernt werden kann. Danach wird die verbliebene Zink-Blei-Silber-Schmelze bis zum Siedepunkt des Zinks (908 °C) erhitzt und das Zink abdestilliert. Das so gewonnene Produkt wird Reichblei genannt und enthält etwa 8–12 % Silber.
Um das Silber anzureichern, wird nun die sogenannte Treibarbeit durchgeführt. Dazu wird das Reichblei in einem Ofen geschmolzen. Dann wird ein Luftstrom durch die Schmelze geleitet. Dabei oxidiert das Blei zu Bleioxid, das edle Silber bleibt hingegen unverändert. Das Bleioxid wird laufend abgeleitet und so nach und nach das Blei entfernt. Ist der Bleigehalt des Raffinats so weit gesunken, dass sich auf der Oberfläche der Metallschmelze keine matte Bleioxidschicht mehr bildet, das letzte Oxidhäutchen aufreißt und mithin das darunterliegende glänzende Silber sichtbar werden lässt, spricht man vom Silberblick. Die dann vorliegende Legierung wird „Blicksilber“ genannt und besteht zu über 95 % aus Silber.
Gewinnung aus Kupfererzen
Silber ist auch in Kupfererzen enthalten. Bei der Kupferherstellung fällt das Silber – neben anderen Edelmetallen – im so genannten Anodenschlamm an. Dieser wird zunächst mit Schwefelsäure und Luft vom Großteil des noch vorhandenen Kupfers befreit. Anschließend wird er im Ofen oxidierend geschmolzen, wobei enthaltene unedle Metalle in die Schlacke gehen und entfernt werden können.
Raffination
Ein reiner Silber-Kristall, elektrolytisch abgeschieden mit deutlich sichtbaren dendritischen Strukturen.
Rohsilber wird auf elektrolytischem Weg im sogenannten Möbius-Verfahren gereinigt. Dazu wird das Rohsilber als Anode in eine Elektrolysezelle geschaltet. Als Kathode dient ein Feinsilberblech, als Elektrolyt salpetersaure Silbernitratlösung.
Das Verfahren entspricht der elektrolytischen Reinigung des Kupfers. Während der Elektrolyse werden Silber und alle unedleren Bestandteile des Rohsilbers (beispielsweise Kupfer oder Blei) oxidiert und gehen in Lösung. Edlere Anteile wie Gold und Platin können nicht oxidiert werden und fallen unter die Elektrode. Dort bilden sie den Anodenschlamm, der eine wichtige Quelle für Gold und andere Edelmetalle ist. An der Kathode wird nun ausschließlich Silber abgeschieden. Dieses sehr reine Silber bezeichnet man als Elektrolyt- oder Feinsilber.[18]
Eigenschaften
Physikalische Eigenschaften
Silber ist ein weißglänzendes Edelmetall. Das Metall kristallisiert im kubischen-flächenzentrierten Kristallsystem. Unter Normaldruck betragen die Schmelztemperatur 961 °C und die Siedetemperatur 2212 °C. Silber hat aber bereits oberhalb von 700 °C, also noch im festen Zustand, einen deutlichen Dampfdruck. Es siedet unter Bildung eines einatomigen, blauen Dampfes. Das Edelmetall besitzt eine Dichte von 10,49 g/cm³ (bei 20 °C) und gehört daher wie alle Edelmetalle zu den Schwermetallen.
Silber hat einen metallischen Glanz. Frische, unkorrodierte (Schnitt)flächen von Silber zeigen die höchsten Licht-Reflexionseigenschaften aller Metalle, frisch abgeschiedenes Silber reflektiert über 99,5 Prozent des sichtbaren Lichtes. Als „weißestes“ aller Gebrauchsmetalle wird es daher auch zur Herstellung von Spiegeln benutzt. Strichfarbe ist ein gräuliches Weiß. Mit abnehmender Korngröße wird die Farbe immer dunkler und ist bei fotografisch fein verteilten Silberkristallen schwarz. Das Reflexionsspektrum zeigt im nahen UV eine ausgeprägte Plasmakante.
Silber leitet von allen Metallen Wärme und Elektrizität am besten. Wegen seiner Dehnbarkeit und Weichheit (Mohshärte von 2,5-4) lässt es sich zu feinsten, blaugrün durchschimmernden Folien von einer Dicke von nur 0,002 bis 0,003 mm aushämmern oder zu dünnen, bei 2 km Länge nur 0,1 bis 1 g wiegenden Drähten (Filigrandraht) ausziehen.
Im geschmolzenen Zustand löst reines Silber leicht aus der Luft das 20-fache Volumen an Sauerstoff, der beim Erstarren der Schmelze unter Aufplatzen der bereits erstarrten Oberfläche (Spratzen) wieder entweicht. Bereits gering legiertes Silber zeigt diese Eigenschaft nicht.
Chemische Eigenschaften
Durch Silbersulfidbelag dunkel angelaufene Silbermünze: Der „Eichbaum“ – 5 Reichsmark 1927–33
Silber ist ein Edelmetall mit einem Normalpotential von +0,7991 V. Aus diesem Grund ist es relativ reaktionsträge. Es reagiert auch bei höherer Temperatur nicht mit dem Sauerstoff der Luft. Da in der Luft spurenweise Schwefelwasserstoff H2S enthalten ist, laufen Silberoberflächen allerdings mit der Zeit schwarz an, da Schwefelwasserstoff das elementare Silber zu Silbersulfid (Ag2S) oxidiert:
.
Silber löst sich nur in oxidierenden Säuren, wie beispielsweise Salpetersäure, in nichtoxidierenden Säuren wie Salzsäure ist es nicht löslich. In konzentrierter Schwefel- und Salpetersäure löst sich Silber nur bei erhöhten Temperaturen, da es durch Silbernitrat und -sulfat passiviert ist. Silber löst sich in Cyanid-Lösungen bei Anwesenheit von Sauerstoff, da durch die Bildung eines sehr stabilen Silbercyanid-Komplexes das elektrochemische Potential stark verschoben ist. Silber ist stabil gegen Schmelzen von Natriumhydroxid und anderer Alkalihydroxide. Im Labor verwendet man darum für diese Schmelzen auch Silber- anstatt Porzellan- oder Platintiegel.
Biologisch-medizinische Eigenschaften
Silber wirkt in feinstverteilter Form bakterizid, also schwach toxisch, was aufgrund der großen reaktiven Oberfläche auf die hinreichende Entstehung von löslichen Silberionen zurückzuführen ist. Im lebenden Organismus werden Silberionen jedoch in der Regel schnell an Schwefel gebunden und scheiden aus dem Stoffkreislauf als dunkles, schwer lösliches Silbersulfid aus. Die Wirkung ist oberflächenabhängig. Dies wird in der Medizin genutzt für Wundauflagen wie für invasive Geräte (z. B. endotracheale Tuben).[19] In der Regel wird Silber für bakterizide Zwecke daher in Medizinprodukten als Beschichtung oder in kolloidaler Form eingesetzt, zunehmend auch Nanosilber. Silberionen finden als Desinfektionsmittel und als Therapeutikum in der Wundtherapie Verwendung. Sie können silberempfindliche Erreger nach relativ langer Einwirkzeit reversibel inhibieren, können darüber hinaus bakteriostatisch oder sogar bakterizid (also abtötend) wirken. Man spricht hier vom oligodynamischen Effekt. In manchen Fällen werden Chlorverbindungen zugesetzt, um die geringe Wirksamkeit des Silbers zu erhöhen.
Dabei kommen verschiedene Wirkmechanismen zum Einsatz:
Blockierung von Enzymen und Unterbindung deren lebensnotwendiger Transportfunktionen in der Zelle,
Beeinträchtigung der Zellstrukturfestigkeit,
Schädigung der Membranstruktur.
Die beschriebenen Effekte können zum Zelltod führen.
Neben der Argyrie, einer irreversiblen schiefergrauen Verfärbung von Haut und Schleimhäuten, kann es bei erhöhter Silberakkumulation im Körper außerdem zu Geschmacksstörungen, Geruchsunempfindlichkeit sowie zerebralen Krampfanfällen kommen.
Umstritten ist die therapeutische Einnahme von kolloidalem Silber, das seit einigen Jahren wieder verstärkt ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückt und über Internet und andere Kanäle vermarktet wird. Es wird vor allem als Universalantibiotikum angepriesen und soll noch andere Leiden kurieren können. Wissenschaftliche Studien über die Wirksamkeit gibt es nicht. Bereits die mit einem gängigen Antibiotikum vergleichbare Wirkung ist bei peroraler Verabreichung stark anzuzweifeln. Sehr geringe oral aufgenommene Mengen bis 5 Mikrogramm Silber pro Kilogramm Körpergewicht und Tag sollen nach Ansicht der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA zu keiner Vergiftung führen.[20]
Verwendung
Verwendung als Edelmetall
Ein 5-kg-Silberbarren
Silberschatz aus Pompeji, Italien, 79 n. Chr.; vorne von links: Patera (röm. Opferschale), Schöpflöffel für Wein (simpulum), Patera, Spiegel: im Hintergrund zwei Krüge und Schalen
Spiegel aus massivem Silber, Fundstück aus Pompeji, Italien, 79 n. Chr.
Die früher wichtigste Verwendung war die Herstellung von Silbermünzen als Zahlungsmittel. Für Münzen wurde in der Antike und im Mittelalter nur Silber, Gold und Kupfer bzw. Bronze verwendet. Der Münzwert entsprach weitgehend dem Metallwert (Kurantmünze). In Deutschland waren bis 1871 Silbermünzen (Taler) vorherrschend, die Währung war durch Silber gedeckt (Silberstandard). Nach 1871 wurde der Silber- durch den Goldstandard abgelöst. Der Grund für die Verwendung dieser Edelmetalle waren die hohe Wertspeicherung (Seltenheit) und Wertbeständigkeit von Silber und Gold. Erst in moderner Zeit werden Münzen auch aus anderen Metallen, wie Eisen, Nickel oder Zink hergestellt, deren Metallwert aber geringer ist und nicht dem aufgeprägten Wert entspricht (Scheidemünze). Silber wird als Münzmetall heute meist nur noch für Gedenk- und Sondermünzen verwendet. Für den standardisierten Silberhandel an Rohstoffbörsen wurde „XAG“ als eigenes Währungskürzel nach ISO 4217 vergeben. Es bezeichnet den Preis einer Feinunze Silber. Besonders in Zeiten von Wirtschaftskrisen – wie z. B. ab 2007 – hat sich neben Gold auch das Edelmetall Silber durch seine Kurs- und Wertstabilität als eine der wichtigsten Anlageform in verschiedensten Ausprägungen wie z. B. Silberbarren, Silberschmuck oder Silbermünzen erwiesen.[21]
Silber ist neben Gold und Edelsteinen (z. B. Diamanten) ein wichtiges Material für die Herstellung von Schmuck. Silber wird seit Jahrhunderten für erlesene und wertbeständige Essbestecke, Tafelsilber und Sakrales Gerät verwendet. Bei Schmuck, Gerät und Barren kann der Silbergehalt, sofern angegeben, anhand des Feingehaltstempels abgelesen werden.
Silbermedaillen werden bei vielen Sportwettkämpfen, z. B. bei den Olympischen Spielen, als Zeichen für das Erreichen des zweiten Platzes verliehen. Dies kommt daher, dass Silber traditionell nach Gold als nächst edleres Metall gilt. Allerdings wird die Goldmedaille aus 92.5% Silber hergestellt und mit 6 g reinem Gold vergoldet. Auch in anderen Bereichen werden Auszeichnungen häufig mit „silbernes …“ bezeichnet. Beispiele sind Silberner Bär, Silberner Griffel, Silberner Schuh und Silbernes Lorbeerblatt.
Sehr begehrt ist es auch bei Musikinstrumenten, da es aufgrund seiner Dichte einen schönen, warmen Ton von sich gibt, leicht zu verarbeiten ist und z. B. bei der Querflöte das empfindliche Holz ersetzt.
Silber besitzt die höchste elektrische Leitfähigkeit aller Metalle, eine hohe Wärmeleitfähigkeit und eine ausgeprägte optische Reflexionsfähigkeit. Dadurch ist es für Anwendungen in Elektrik, Elektronik und Optik prädestiniert. Die Reflexionsfähigkeit von Glasspiegeln beruht auf der chemischen Versilberung von Glasscheiben. Dieses Prinzip wird auch bei der Fertigung von Christbaumschmuck, Optiken und Licht- oder Wärmereflektoren verwendet. Eine Suspension von Silberpulver in Klebstoffen macht sie zu elektrisch (und thermisch) leitfähigen Klebern.
Die Schwärzung der Silberhalogenide infolge ihres Zerfalls durch Licht wird beim Fotopapier genutzt. Es bildete von etwa 1850 bis zur Verbreitung der Digitaltechnik die Grundlage der Fotografie.
Silberlegierungen (mit Kupfer, Zink, Zinn, Nickel, Indium usw.) werden in der Elektrotechnik und Löttechnik als Lotlegierungen (sogenanntes Hartlöten), Kontaktmaterialien (z. B. in Relais) und Leitmaterial (z. B. als Kondensatorbeläge) verwendet. Silberlegierungen werden aber auch in der Dentaltechnik und im dekorativen Bereich verwendet.
Der früher zum Füllen hohler Silbergefäße verwendete Silberkitt enthält trotz seines Namens kein Silber. Näheres hierzu hier.
Silbergeschirre und -geräte geben beim Gebrauch immer etwas Silber an die Speisen und Getränke ab, was sich ggf. in einem unangenehmen Metallgeschmack bemerkbar macht. Um dies zu vermeiden, werden silberne z. B. Trinkgefäße oft innen vergoldet. Durch Silbersulfid angelaufenes Silber wird entweder poliert oder chemisch reduziert (siehe Silberpflege).
Silber in medizinnahen Anwendungen
Werkstoffe oder Beschichtungsverfahren nutzen die antibakterielle Wirkung von Silber in Medizinprodukten und anderen Anwendungen in Form von Silberbeschichtungen oder als kolloidales Silber oder als Nanosilber oder als Silberfäden. Beispiele in Medizinprodukten:
Wundauflagen mit kolloidalem Silber oder Nanosilber
Silberbeschichtungen endoskopische Tuben
Kunststoffe mit Silberdotierung zur Anwendung in der Medizintechnik
Silberhaltige Cremes als Arzneimittel und auch Kosmetika, z. B. bei Schuppen mit Hautpilzverdacht oder bei Neurodermitis
Beispiele für andere Anwendungen:
Silberfäden oder Silberionen hemmen in der antimikrobiellen Ausrüstung von Textilien das Wachstum von Bakterien auf der Haut und verhindern damit unangenehme Gerüche.
Beschichtung von Oberflächen, z. B. in Kühlschränken, auf Küchenmöbeln, Lichtschaltern und anderen Gegenständen
Antibakterielle Emaillierungen und Keramiken
Silberbeschichtete Wasserfilterkartuschen
Beläge von keramischen Kondensatoren für die Elektrotechnik/Elektronik
Silber in der Katalyse
Silberkatalysatoren finden industrielle Anwendung in der Partialoxidation von Ethen zu Ethylenoxid bzw. von Methanol zu Formaldehyd.[22][23] Durch die Bedeutung des Silbers für die Oxidationskatalyse sind zahlreiche Untersuchungen zur Wechselwirkung von Silberoberflächen mit Sauerstoff durchgeführt worden. Verschiedene Sauerstoffspezies sind an der Silberoberfläche, im oberflächennahen Bereich und im Silbervolumen lokalisiert. Neben Spezies, die auf das Substrat übertragen werden und mehr oder weniger selektiv zur Oxidation eines Moleküls führen, sind auch Zentren vorhanden, die eine katalytische Dehydrierung ermöglichen. Dies ist interessant im Zusammenhang mit der Tatsache, dass die Partialoxidation von Methanol zu Formaldehyd unterstöchiometrische Mengen an Sauerstoff erfordert.[24] Die Bildung der Sauerstoffspezies ist abhängig von der Temperatur, aber auch von der Art der Reaktionsatmosphäre. Bestimmte O-Spezies sind ex situ nicht nachweisbar und stellen hohe Anforderungen an die eingesetzten Charakterisierungsmethoden.[25][26]
Silber katalysiert anderseits auch die Reduktion organischer Substrate durch Wasserstoff, z. B. die Hydrierung von α,β-ungesättigten Carbonylverbindungen. Die Wechselwirkung von H2 mit Silberkatalysatoren ist – verglichen mit klassischen Hydrierkatalysatoren wie Platin – nur schwach ausgeprägt.[27] Ag-Katalysatoren sind deshalb in der Lage, Doppelbindungen von bi-/multifunktionellen Molekülen selektiv zu hydrieren (z.B. Hydrierung von Acrolein zu Allylalkohol).
Nichtmetallische und nicht bakterizide Silberanwendungen
Silber wird als Lebensmittelfarbstoff E 174 auch im Speisenbereich verwendet, zum Beispiel für Überzüge von Süßwaren wie etwa Pralinen und in Likören. Silbersalze färben Glas und Emaille gelb.
Silberlegierungen
Silber ist mit vielen Metallen legierbar. Gut legieren lässt es sich mit Gold, Kupfer oder Palladium (ein Palladiumgehalt von 20 bis 30 Prozent macht das Silber anlaufbeständig). In begrenztem Umfang lässt sich Silber mit Chrom, Mangan oder Nickel legieren. Legieren erhöht zumeist die Härte des Silbers. Mit Cobalt oder Eisen lässt es sich nicht legieren.
Wichtige Silberlegierungen
Stempel auf silbernem Gerät, links Halbmond und Reichskrone, mitte Feingehaltzahl, rechts Firmenstempel
Die wichtigsten Silberlegierungen sind heute Kupfer-Silber-Legierungen. Sie werden meist nach ihrem Feingehalt an Silber, angegeben in Tausendstel, bezeichnet. Die gebräuchlichsten Silberlegierungen haben einen Feingehalt von 800, 835, 925 und 935 Tausendstel Teile Silber. 925er Silber wird nach der britischen Währung Pfund Sterling als Sterlingsilber bezeichnet. Es ist die wichtigste Silberlegierung und wird u. a. zur Herstellung von Münzen, Schmuck und Besteck verwendet.
Im Hinblick auf den Export werden heute Korpuswaren vorwiegend aus einer Silberlegierung mit einem Feingehalt von 935/1000 hergestellt, da die Waren mit Silberloten gelötet werden, deren Feingehalt niedriger ist, um letztendlich dem gesetzlich geforderten Gesamtfeingehalt von beispielsweise 925/1000 zu genügen. Eine neuartige Legierung aus England ist Argentium™ Sterling Silber, das nicht anlaufen soll. Auch bei stark beanspruchten Bestecken geht seit Jahren der Trend zum Sterlingsilber. Silberwaren werden in der Regel abschließend feinversilbert, Bestecke und Verschleißartikel hartversilbert. Durch die reine Silberbeschichtung werden die verkaufsfördernde, strahlendweiße Silberfarbe und ein stark vermindertes Anlaufen der Waren erreicht.
Eine im Mittelalter für die Verzierung von Kunstwerken verwendete Silberlegierung ist das Tulasilber, eine Legierung von Silber, Kupfer, Blei und Schwefel. Silber wird häufig auch vergoldet, man nennt es mit einem aus dem Französischen beziehungsweise Lateinischen stammenden Wort dann „Vermeil“.
Neusilber ist dagegen kein Silber, sondern eine optisch silberähnliche, weiße, unedle Metalllegierung aus Kupfer, Nickel und Zink. Als „Tibetsilber“ wird schließlich im Handel eine Legierung mit nur geringem (250 Tausendstel) Silberanteil bezeichnet.
Verbindungen
Silber kommt in chemischen Verbindungen hauptsächlich in der Oxidationsstufe +I vor, die Oxidationsstufen +II, +III und +IV sind selten und meist nur in Komplexen stabil.
Silberhalogenide
Zu den wichtigsten Silberverbindungen zählen die Silberhalogenide. Sie zersetzen sich im Licht und werden deshalb viel in der Fotografie gebraucht. Silberhalogenide sind außer dem Fluorid schwer in Wasser löslich und dienen zum Nachweis von Halogenid-Ionen.
Silber(I)-fluorid AgF ist farblos und als einziges Silberhalogenid gut wasserlöslich. Es ist im Gegensatz zu den anderen Silberhalogeniden nicht lichtempfindlich.
Silber(I)-chlorid AgCl ist ein weißes, kristallines wasserunlösliches Pulver. Es dient als Nachweis für Chloridionen. Außerdem wird es in Referenzelektroden und (seltener) in der Fotografie verwendet.
Silber(I)-bromid ist hellgelb und ebenfalls wasserunlöslich. Da es lichtempfindlicher als Silberchlorid ist, dient es sehr häufig als lichtempfindliche Schicht in der Fotografie.
Silber(I)-iodid ist wie Silberbromid gelb und wasserunlöslich. Es wird selten auch in der Fotografie verwendet. Manchmal wird Silberiodid von Flugzeugen als Kondensationskeim zur Regenbildung versprüht.
Silber(II)-fluorid AgF2 ist eines der wenigen nicht komplexen zweiwertigen Silbersalze. Es wird als Fluorierungsmittel an Stelle von elementarem Fluor verwendet.
Silberchalkogenide
Silber(I)-oxid Ag2O ist ein dunkelbrauner Feststoff, der aus silberhaltigen Lösungen mit Basen (z. B. Natronlauge) ausfällt. Bei höheren Temperaturen zerfällt Ag2O in die Elemente.
Die Silberoxide mit Silber in Oxidationsstufen größer +I können nur auf elektrochemischen Wege dargestellt werden. Dies sind die Verbindungen Silber(I/III)-oxid AgIAgIIIO2 (fälschlicherweise auch Silber(II)-oxid AgO bezeichnet), Silber(II/III)-oxid Ag3O4 und Silber(III)-oxid Ag2O3.
Silber(I)-sulfid Ag2S ist von allen Silbersalzen am schwersten wasserlöslich. Es ist schwarz und entsteht direkt aus den Elementen oder durch Versetzen silberhaltigen Lösungen mit Schwefelwasserstoff. Wenn Silberbesteck anläuft, besteht der dunkle Überzug ebenfalls aus Silbersulfid.
Weitere wichtige Silberverbindungen
Silbernitrat AgNO3 ist die wichtigste Silberverbindung und Ausgangsstoff für die Herstellung der meisten anderen Silberverbindungen. Es ist leicht wasserlöslich und wird durch Auflösen von Silber in Salpetersäure hergestellt.
Silbersulfat Ag2SO4 entsteht beim Auflösen von Silber in konzentrierter Schwefelsäure.
Silberazid AgN3 und Silberacetylid Ag2C2 sind hochexplosiv. Ersteres kann als Initialzünder von Sprengstoffen dienen. Das ebenfalls sehr explosive Silberfulminat AgCNO wird auch als Knallsilber bezeichnet.
Silbercyanid AgCN ist ein hochgiftiges farbloses Pulver, das beim Versetzen von Silbersalzlösungen mit Cyanidionen ausfällt.
Silber in höheren Oxidationsstufen tritt beispielsweise im Tetrapyridinosilber(II)-persulfat – [Ag(C5H5N)4S2O8, im Kaliumtetrafluoroargentat(III) K[AgF4 oder Caesiumhexafluoroargentat(IV) Cs2[AgF6 auf. Die giftigen Silbercyanide werden u. a. in galvanischen Bädern zur Versilberung und Farbvergoldung (hellgelb-grünlichgelb) eingesetzt. Bei Silber(I) ist die Neigung zur Bildung von Komplexionen ausgeprägt, meist mit der Koordinationszahl 2. Diese Komplexionen sind mit Ausnahme des erst in stark salzsaurer Lösung entstehenden [AgCl2− nur in alkalischer (basischer) oder neutraler Lösung beständig.
Nachweis
Silberchlorid (links);
+Ammoniak (rechts)
Beim Zutropfen von Halogenid-Lösung in die zu prüfende Flüssigkeit bilden sich beim Vorhandensein von Silber-Kationen Niederschläge, z. B.:
Ag+(aq) + Cl−(aq) → AgCl (s)
Als Nachweisreaktion für Silbersalze erfolgt daher die Zugabe von Salzsäure oder Natriumchloridlösung: Ein weißer Niederschlag von Silberchlorid (löslich in verdünntem Ammoniakwasser, es entsteht der Silberdiamminkomplex [Ag(NH3)2+ ). Bei hohen Konzentrationen an Chlorid löst sich das Silberchlorid teilweise wieder auf, da sich komplexe Dichloroargentate(I) bilden:
AgCl + Cl− → [AgCl2−
Der Niederschlag ist bei Iodid-Ionen (AgI) gelb-grünlich und in Ammoniakwasser unlöslich, bei Chlorid- und Bromid-Ionen (AgCl, AgBr) weißlich.
Heraldik
In der Heraldik wird Silber, wie auch Gold, als Metall bezeichnet, das zu den heraldischen Tinkturen zählt. Es wird häufig durch weiße Farbe wiedergegeben.
Siehe auch
Silber/Tabellen und Grafiken
Silberelektrolyte
Galvanisierung
Literatur
Arnold Holleman, Egon Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 101. Auflage. Walter de Gruyter., Berlin 1995, ISBN 3-11-012641-9.
Einzelnachweise
↑ Harry H. Binder: Lexikon der chemischen Elemente. S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-7776-0736-3.
↑ Die Werte für die Eigenschaften (Infobox) sind, wenn nicht anders angegeben, aus Silber. auf: webelements.com entnommen.
↑ Ludwig Bergmann, Clemens Schaefer, Rainer Kassing: Lehrbuch der Experimentalphysik, Band 6: Festkörper. 2. Auflage, Walter de Gruyter, 2005, ISBN 3-11-017485-5, S. 361.
↑ N. N. Greenwood, A. Earnshaw: Chemie der Elemente. 1. Auflage. 1988, ISBN 3-527-26169-9, S. 1509.
↑ Weast, Robert C. (ed. in chief): CRC Handbook of Chemistry and Physics. CRC (Chemical Rubber Publishing Company), Boca Raton 1990. Seiten E-129 bis E-145. ISBN 0-8493-0470-9. Werte dort sind auf g/mol bezogen und in cgs-Einheiten angegeben. Der hier angegebene Wert ist der daraus berechnete maßeinheitslose SI-Wert.
↑ Eintrag zu Silber in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 27.4.2008 (JavaScript erforderlich)
↑ Wärmeleitfähigkeit. auf der Webseite der Technischen Fakultät der Uni Kiel
↑ A. F. Hollemann, E. Wiberg: Lehrbuch der anorganischen Chemie. de Gruyter, 1995, S. 1338–1351.
↑ Arnold F. Holleman, Nils Wiberg, Egon Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. Auflage. de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 3-11-017770-6, S. 1433.
↑ Silver. auf: mindat.org (englisch)
↑ Mineral Species containing Silver (Ag). auf: webmineral.com
↑ Kongsbergit. auf mineralienatlas.de
↑ Peru verfügt über Reserven 3,88 Mrd. Unzen Silber und 66,3 Mio. Unzen Gold. Laut offiziellen Angaben förderte Peru 2009 5,7 Mio. Unzen Silber, ein Anstieg von 1,4% im Vergleich zum Vorjahr.
↑ Trends der Angebots- und Nachfragesituation bei mineralischen Rohstoffen.
↑ Silver. In: U.S. Geological Survey: Mineral Commodity Summaries. January 2009.
↑ Jörg Mildenberger: Anton Trutmanns Arzneibuch Teil II: Wörterbuch, Würzburg 1997, Band V, ISBN 3-8260-1398-0, S. 2274.
↑ Geschichte des Kunststoffs - Alexander Parkes. auf: plasticker.de
↑ Anorganischer Experimentalvortrag: Silber S. 9, Elektrolytische Feinreinigung (Möbius-Verfahren)
↑ Mit Silber beschichteter Tubus senkt Pneumonierisiko. In: Deutsches Ärzteblatt. 20. August 2008.
↑ Silver (CASRN 7440-22-4). auf der Webseite der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA
↑ Silber-Rallye im Windschatten des Goldes. In: Die Welt. 14. Oktober 2009.
↑ P.A. Kilty, W.M.H. Sachtler: THE MECHANISM OF THE SELECTIVE OXIDATION OF ETHYLENE TO ETHYLENE OXIDE. In: Catalysis Reviews. 10, 1974, S. 1-16; doi:10.1080/01614947408079624
↑ H. Sperber: Herstellung von Formaldehyd aus Methanol in der BASF. In: Chemie Ingenieur Technik. 1969, 41, S. 962–966; doi:10.1002/cite.330411705.
↑ A. Nagy, G. Mestl, T. Rühle, G. Weinberg, R. Schlögl: The Dynamic Restructuring of Electrolytic Silver during the Formaldehyde Synthesis Reaction. In: Journal of Catalysis. 179, 1998, S. 548-559; doi:10.1006/jcat.1998.2240.
↑ V.I. Bukhtiyarov, A.I. Nizovskii, H. Bluhm, M. Hävecker, E. Kleimenov, A. Knop Gericke, R. Schlögl: Combined in situ XPS and PTRMS study of ethylene epoxidation over silver. In: Journal of Catalysis. 238, 2006, S. 260-269; doi:10.1016/j.jcat.2005.11.043.
↑ A. Knop-Gericke, E. Kleimenov, M. Hävecker, R. Blume, D. Teschner, S. Zafeiratos, R. Schlögl, V.I. Bukhtiyarov, V.V. Kaichev, I.P. Prosvirin, A.I. Nizovskii, H. Bluhm, A. Barinov, P. Dudin, M. Kiskinova: Chapter 4 X-Ray Photoelectron Spectroscopy for Investigation of Heterogeneous Catalytic Processes. In: Advances in Catalysis. 52, 2009, S. 213–272; doi:10.1016/S0360-0564(08)00004-7.
↑ J. Hohmeyer: Charakterisierung von Silberkatalysatoren für die Selektivhydrierung mittels DRIFT-Spektroskopie, Adsorptionskalorimetrie und TAP-Reaktor. Dissertation, Fritz-Haber-Institut Berlin / Technische Universität Darmstadt, 2009.
Weblinks
Commons: Silber – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary: Silber – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Silber – Zitate
Wikibooks: Praktikum Anorganische Chemie/ Silber – Lern- und Lehrmaterialien
Mineralienatlas – Silber (Bilder, Vorkommen, technische Fakten), Mineralienportrait Silber
Silberpreis in Euro u. USD inkl. historischer Charts
Anwendung in der Medizintechnik
Silver Institute – Verband von Silberproduzenten
Grafiken zum Silberpreis
Periodensystem der Elemente
H
He
Li
Be
B
C
N
O
F
Ne
Na
Mg
Al
Si
P
S
Cl
Ar
K
Ca
Sc
Ti
V
Cr
Mn
Fe
Co
Ni
Cu
Zn
Ga
Ge
As
Se
Br
Kr
Rb
Sr
Y
Zr
Nb
Mo
Tc
Ru
Rh
Pd
Ag
Cd
In
Sn
Sb
Te
I
Xe
Cs
Ba
La
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Pr
Nd
Pm
Sm
Eu
Gd
Tb
Dy
Ho
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Tm
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Lu
Hf
Ta
W
Re
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Pt
Au
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Tl
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Bi
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Fr
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Am
Cm
Bk
Cf
Es
Fm
Md
No
Lr
Rf
Db
Sg
Bh
Hs
Mt
Ds
Rg
Cn
Uut
Uuq
Uup
Uuh
Uus
Uuo
Alkalimetalle
Erdalkalimetalle
Lanthanoide
Actinoide
Übergangsmetalle
Metalle
Halbmetalle
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